Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 22.1878 (22)

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III. Abtheilung. Literarischer Wegweiser. 
Auerbach, Schwab und v. Chamisso ist das Leben der Menschen im engern 
und weitern Verein nach verschiedenen Seiten und Beziehungen hin und unter 
Festhaltung eines bestimmten innern Zusammenhanges der Stücke anschaulich ge 
schildert. Hierauf bildet der Bauernstand, „aus welchem allein noch die Geschichte 
des alten, deutschen Volksthums leibhaftig in die moderne Welt herüberragt", 
nach den lebensfrischen, naturgetreuen Darstellungen von Riehl und Jmmer 
mann den Gegenstand der Betrachtung. Mit drei kurzen Abhandlungen über 
Besonnenheit im Reden (Zollikofer), verständiges, fruchtbringendes Lesen 
(Jacobs) und dem Leben dienendes Lernen (Herder) schließt das Ganze. — 
Auch das deutsche Sprichwort hat in diesem Abschnitt seine Vertretung ge 
funden. 
In Abschnitt II: „Aus der Natur" werden dem Schüler nach dem Gange 
der Jahreszeiten Erscheinungen aus dem Naturleben vorgeführt, jedoch, da ein 
Lesebuch für höhere Lehranstalten zunächst nicht im Dienste realistischer Bildung 
steht, nicht im Gewände naturgeschichtlicher Beschreibungen, wie solche in den 
betreffenden Lehrbüchern geboten sind; es tritt die Naturbetrachtung vielmehr in 
anmuthigen Bildern auf, in denen auf treue, sinnige Beobachtung und gemüth- 
volle Darstellung das Hauptgewicht gelegt ist. Die Namen der Schriftsteller: 
Roßmäßler, v. Enderes, Masius, Taschenberg, v. Göthe, Becker, 
Riehl, Geßner, Schleiden, Wagner, Zschokke, v. Schubert, Grube 
u. a. haben auf dem bezeichneten Gebiete bereits so guten Klang, daß der Werth 
der Arbeit dieser Männer wohl nicht anzuzweifeln ist. An paffender Stelle 
haben die Dichter unserer schönsten Naturlieder: Lenau, O. v. Redewitz, 
Heine, Claudius, Uhland, v. Eichendorff, Kerner, Rückert, Hebel, 
v. Göthe u. a. Berücksichtigung gefunden. Einige Lesestücke dieses Abschnitts 
berühren das speciell literarhistorische Gebiet und werden bei späterer Behandlung 
dieses Zweiges des Sprachunterrichts zweckmäßige Verwerthung finden können. 
Abschnitt III behandelt „Land und Leute". Nach einigen Sagen aus der 
klassischen Vorzeit folgen Bilder zur Kulturgeschichte des griechischen und 
römischen Volkes aus den Werken von Duncker, Winckelmann, Curtius, 
Nägele, Mommsen und Herder. Die außerordentlich anschaulichen und in 
edler Sprache geschriebenen Mittheilungen von O. Jäger sind mehrfach ver 
werthet worden. 
Bald aber heißt es: „Deutschland über Alles" (S. 173). Des deutschen 
Landes und Volkes Art lieferte reichen und mehrfach ganz neuen Stoff zu 
geographischen, geschichtlichen und besonders kulturgeschichtlichen Charakter 
bildern nach den Darstellungen von W. Giesebrecht, Mommsen, Duller, 
v. Göthe, Kutzen, Novalis, Wilken, v. Raumer, W. Menzel, I. 
Grimm, Stolberg, Heine (Reisebilder!), G. Freitag (— der, wie kaum 
ein Anderer, es verstanden hat, treue und anschauliche Zeit- und Sittenbilder zu 
entwerfen —), v. Tschudi, Meiners, Schnaase, Ranke, Grube, v. 
Schiller, v. Archenholtz, Leo, K. Stöber u. a. Ueber Deutschlands 
Grenzen hinaus führen die Mittheilungen von Lübke, Mayer u. a.; das Leben 
des Meeres schildern Romberg, Heger, Masius, Zimmermann; in der 
Steppe orientiren uns A. v. Humboldt und E. Schwab; mit der Natur 
des Nordens machen uns Mügge und v. Schubert bekannt; die Wüste 
beschreibt uns H. Stahl; einen Blick in die Reize des Morgenlandes eröffnen 
uns Schurig, Busch, Hettner u. a.; mit Julien Turgan machen wir
	        

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