Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 22.1878 (22)

Was hat die Schule zu thun? rc. 
»85 
Jene Kette der oben erwähnten Thatsachen fordert nothwendig eine letzte 
That, durch welche der Menschheit die verheißene Hülfe zn Theil wird. 
Durch das Gesetz ist diese aus ihrer Sicherheit erweckt; die Sünde ist durch 
Erkenntniß derselben lebendig geworden und bezeugt ihr Dasein durch das stra 
fende Gewissen und den Unfrieden und die Angst des Herzens. In diesen 
Zustand hat Gott die Menschheit nicht versetzt, damit sie darin verzweifle und 
in ihrem Elende untergehe, sondern daß sie sich nach Hülfe sehne und die dar 
gebotene Hülfe willig und freudig ergreife. Dieser erweckten Sehnsucht nach 
Errettung muß Erfüllung werden. Aus der Menschheit selbst kann die Hülfe 
nicht kommen, denn jeder Einzelne in ihr ist ein krankes Glied eines kranken 
Leibes, der eines Arztes bedarf?) Da bietet Gott der Menschheit Hülfe und 
Rettung an in und durch Jesus Christus. Er, Gottes eingeborner Sohn, 
der, wie der Rathschluß Gottes zur Erlösung von Ewigkeit her gewesen ist, tritt 
als des Menschen Sohn ein in die sündige Welt, da die Zeit erfüllet war 
und die Vorbereitungen Gottes zur Erlösung in dem allgemeinen Verlangen 
nach Hülfe ihren Zweck erreicht hatten. Als wahrhaftiger Mensch unterwirft er 
sich dem Entwickelungsgänge des menschlichen Lebens, erfährt an sich alle 
Schwächen und Gebrechen desselben, hat alle Beschwerden und Mühseligkeiten 
des Lebens zu tragen, alle Versuchungen in demselben zu bestehen, und ist so in 
Allem uns gleich geworden. Zugleich aber stellt sich in ihm, dem Sohne 
Gottes, ein ununterbrochenes Leben in Gott dar, das während seines Daseins 
in der Welt in jedem Augenblicke in gleicher Weise hervortritt und das da be' 
zeugt: „In ihm wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig". So verbindet 
sich in seiner Person menschliches Sein mit allen Schwächen und Gebrechen 
und göttliches Leben mit aller Herrlichkeit und Seligkeit zu einer unzertrenn 
lichen Einheit. Als des Menschen Sohn tritt er der Menschheit nahe, der er 
als Gottes Sohn Hülfe bringen will. 
Die Sünde aber mußte den Sündlosen und Reinen hassen, der gekommen 
war, der Schlange den Kopf zu zertreten. Dadurch, daß sie den Erlöser an 
das Kreuz schlägt, vollbringt sie ihre äußerste That. Sie hat das Aeußerste 
gethan, was sie nur thun konnte. Er aber, der keine Sünde gethan hat und 
in dessen Munde kein Betrug erfunden worden, läßt mit vollem Bewußtsein die 
ganze Macht der Sünde auf sich einwirken. Er schalt nicht wieder, da er ge 
scholten ward; er drohete nicht, da er litte. So hat die Sünde nicht ihn über 
wunden, sondern liebend und duldend, leidend und sterbend hat er sie über 
wunden. Wie er aber in seinem Tode die Macht der Sünde bricht, so erwirkt 
er durch denselben zugleich auch für die schuldige Vergangenheit Ver 
gebung. Jes. 53, 5. „Er ist um unserer Missethat willen verwundet und 
um uuserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf Ihm, aus daß 
wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilet". Col. 2, 14. 
„Er hat ausgetilget die Handschrift, so wider uns war, welche durch Satzun 
gen entstand und uns entgegen war, und hat sie aus dem Mittel gethan und 
an das Kreuz geheftet." Wie aber der Tod die Sündenschuld des Menschen 
geschlechts tilgt, so stellt die Auferstehung das neue Leben dar, das nun von 
Ihm aus erneuernd und heiligend die in seine Gemeinschaft eintretende, von 
*) Ps. 49, 8. 9. Kann doch ein Bruder Niemand erlösen, noch Gott Jemand ver 
söhnen; denn es kostet zu viel, ihre Seele zu erlöseu, daß er es muß lassen anstehen ewiglich.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.