Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 22.1878 (22)

388 II. Abtheilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien re. 
Sofern aber die Schule den Eingang in die vollständige Gemeinschaft derselben 
vorzubereiten hat, muß sie auch im Stande sein, die Herzen für diese Erfah 
rungen zuzubereiten. Zu dem Zwecke aber ist es freilich nicht ausreichend, 
daß sie ihre Schüler zur bloßen Kenntnisz des Heils führt; sondern sie 
hat vielmehr dahin zu wirken, daß die Herzen zu einem fruchtbaren Boden 
für jene Erfahrungen werden, und daß in diesen ein vorangehender Glaube 
erweckt und gegründet werde, aus welchem daun der volle, in einem christ 
lichen Leben sich bewährende Glaube als Frucht erwächst. 
Die Schule auf diese Aufgaben hinzuweisen, ist der Zweck dieser Zeilen. 
Es fragt sich nun aber, welche Mittel die Schule zur Lösung dieser Auf 
gabe anzuwenden habe. Sie ergeben sich aus dem Gesagten von selbst. 
1. Die Schule hat ihren Schülern das volle Glaubensleben durch 
das Lesen der heiligen Schrift, besonders der apostolischen Briefe, zur 
Anschauung zu bringen. 
2. Sie hat ihre Schüler in rechter Weise beten zu lehren, hat mit 
ihnen zu beten und sie zum Gebete anzuhalten. 
3. Sie hat in den Religionsstunden mit den Worten des Herrn 
zu reden zu den Herzen der Schüler. 
4. Sie hat sich mit der Kirche und ihren Anstalten in die innigste 
Verbindung zu setzen und ihre Schüler zum fleißigen Besuche derselben 
anzuhalten. 
5. Sie hat bei ihren Schülern durch die Erziehung dahin zu wirken, 
daß das Leben derselben Früchte des Glaubens zeige. 
Wenn dagegen die Schulen das Beten verabsäumen oder ganz 
unterlassen, den Religionsunterricht den anderen Gegenständen nach 
stellen und in die zweite oder dritte Stunde verlegen, den Unterricht 
verflachen und sich mit einem oberflächlichen Wissen begnügen, sich nicht 
darum bekümmern, ob die Religionserkenntniß in das Herz und Leben 
der Schüler eingreift; dann darf man sich nicht darüber wundern, wenn 
diese später dem Jndiffercntismus und Radicalismus anheimfallen. 
Und an solchen Schulen fehlt es leider nicht! 
II. Abtheilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien, 
Correspondenzberichte, Erfahrungen aus dem Schul- und 
Lehrerleben. 
Allgemeine Chronik des Volksfchulwefens. Herausgegeben von L. W. Seyf- 
farth, Pastor prim, an der Liebfrauenkirche zu Liegnitz. 1887. Breslau. 
Verlag von E. Morgenstern. 2 Mk. 
Wer'eine kurze Uebersicht dessen, was im Laufe eines Jahres in Beziehung 
ans das Volksschulwesen nicht blos in Deutschland, sondern in allen Ländern 
der Erde, Merkwürdiges geschehen ist, haben will, dem ist vorliegende Chronik,
	        

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