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Stimmen Über beu didaktischen Materialismus.
und nun sagte es vor den beglückten Eltern, den gerührten Tanten und dem
überglücklichen Großvater die „Bürgschaft" von Schiller her, die man ihm ohne
besondere Mühe eingetrichtet hatte.
— Doch es seien der Beispiele genug! Nur noch eine Aeußerung. Jemand
meinte: Man kann den Schülern schon etwas Tüchtiges, auch im Quantum, zu-
muthen, sie müssen's leisten; je mehr man an einen Sack Mehl anklopft, desto
mehr kommt heraus. — Ja, erwiederte der Andere, und desto weniger ist
darin, wenn es einmal an's Brodbacken geht.
Auf Seite 110 angekommen, ist es dem Verfasser des Aufsatzes über den
didaktischen Materialismus leichter geworden, er faßt neuen Muth, oder um unser
erstes Bild wieder aufzugreifen, es ist ihm, als habe er nun doch die steile An
höhe mit seinem belasteten Wagen, an dem wir, sympatisch wenigstens, mit schie
ben halfen, endlich erreicht und finde sich nun oben etwa auf der Hochebene auf
fahrebener Straße. Wir können diese Hoffnung nicht theilen; wir erblicken auch
auf S. 110 oben, theoretisch doch zuvörderst nur, angelangt, Sümpfe und Moor,
worin vielfach unser Fuhrwerk stecken bleiben wird. Darum können wir auch
dem Siegesruf des werthen Correspondenten aus dem Hannöverschen in Nr. 8
des Ev. Schulbl. nicht so schnell theilen, als sei gleichsam, da in des Heraus
gebers Artikel so klar der Schaden dargelegt, wie vielleicht noch niemals in einer
Schrift, so erbarmungslos dem Ungethüm auf den Leib gerückt, wie es wohl bisher
noch nicht geschehen, nun damit eine Schlacht geschlagen und ein großer Sieg
erfochten. Es ist aber oft noch ein langer Weg von einer guten Theorie bis zu
einer derselben entsprechenden guten Praxis, vom Lesen und Wissen, auch Zu
stimmen, bis zum entschiedenen Wollen und redlichen Thun.
Aber dennoch können wir dem Herausgeber in seiner Taktik nicht so gar
Unrecht geben. Er verfährt auch hier pädagogisch. Von Schulordnungen, hohen
und niedern Behörden oder gar Kammerdebatlen und Beschlüffen kann er ja die
Abhülfe zunächst nicht erwarten, sondern von den Lehrern, ja von den einzel
nen Lehrern, und da will er denselben Lust machen, seine Ideen aufzunehmen,
in sich durchzuarbeiten und mit denselben in der Schulpraxis nach Vermögen
Ernst zu machen. Und dazu will er wiederholt uns Lehrern noch das Gewissen
schärfen, daß wir um Gottes und des Gewissens willen saubere und ehrliche
Arbeit zu liefern suchen. Da muß also Niemand denken: was Hilsts, daß ich
es anders mache, Andere thun es doch nicht! Auch hier in Bezug auf die
Schule und die Arbeit in derselben können wir den gemeinen Spruch anwenden:
„Wie es ist auf Erden, also soll's nicht sein; laßt uns besser werden, gleich
wird's besser sein." Alles Gute bricht sich langsam Bahn. Das Schlimmste
aber ist, wenn wir uns verzagt machen lassen und unser eigenes redliches Thun
als zu unbedeutend und werthlos ansehen. Dörpfeld's Aufsatz über den didak
tischen Materialismus ist eine That: mögen ihr Seitens der Lehrer und in den
Schulen Thaten folgen!

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