Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 23.1879 (23)

Jesus und die Kinder. 
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sias, nicht der Sohn Gottes sei, die Kinder sind auch ihnen Nebensache, — sie 
wollen nur nicht, daß Kinder aussprechen, was sie bestreiten. Und als es nun 
doch geschieht, da drängt sich der das Kind mißachtende Ausruf über ihre Lip 
pen: Hörst du auch, was diese sagen? Die Extreme berühren sich: Freund und 
Feind eifern für den Herrn, die Kinder müssen dem Herrn ferne bleiben, — 
Kinder sind eben Kinder, — große Leute haben mit Kindern nichts zu thun, 
hören nicht auf Kinder-Geschrei und wenn, dann nur mit mitleidigem oder ver 
ächtlichem Lächeln. Beide, Freunde und Feinde, haben Gedanken und Ideen, 
hinreichend, ihr Herz zu füllen; die Freunde sorgen und arbeiten für die Aus 
breitung seines Namens, seines Ruhmes, seines Reiches, die Gegner arbeiten mit 
rastlosem Eifer, um ihren Gedanken über Jesum die allgemeinste Verbreitung 
und Annahme zu sichern, — aber die Kinder stehen ihnen fern. An Kindern 
eine Aufgabe lösen wollen lediglich um der Kinder selbst willen, das trifft 
nicht zu. Die Schulfrage, die Frage nach rechtem Unterricht und rechter Er 
ziehung ist wichtigern Parteizwecken untergeordnet; dient es den Partei 
zwecken, dann freilich tritt auch die Schulfrage in den Vordergrund, kommt zur 
Berathung und Erwägung, immer aber mit Unterordnung unter Parteiinteressen. 
So heute noch. — 
„Was ist Volksschule!" — der Eine. 
Hört ihr auch, was die Kinder in der Schule schon lernen, aufsagen und 
singen müssen— so die Gegner. 
In der ev. Volksschule ist noch immer die biblische Geschichte als das Feld 
bezeichnet, auf dem der Glaube der Kinder an den Gott, der Alles erschaffen, 
an den Herrn Jesum Christum, der uns mit seinem Blute erkauft, an den hei 
ligen Geist, der uns der Erlösung durch Christum Jesum theilhaftig machen 
will, begründet, für Geist und Gemüth entwickelt und fruchtbar gemacht werden 
soll. Und Kindermund bekennt diesen Glauben, Kinderhände falten sich, Kindes 
herz und Kindesaugen schauen kindlich glaubend aufwärts. 
Den Glauben haben aber die Gegner Jesu nicht, — die Schule hält ihre 
Bestrebungen auf, erschwert, ja durchkreuzt sie, und darum ertönt auch heute 
der spöttische Ruf: Hört, hört! was die Kinder plappern, was sie schreien, was 
sie sagen! — 
„Die Schule muß frei werden vom Joche der Kirche!" hörte ich rufen. 
Und warum muß sie das? Etwa darum, weil das das wahre Wohl der Jugend 
fordert? Etwa darum, weil die Kirche eine wahrhafte Erziehung hemmt? — 
Nein, sondern darum, weil die in Frage stehenden Ideen zu altmodisch, zu alt- 
väterisch, dem modernen Bewußtsein so fernliegend geworden sind; darum, weil 
Bahn geschafft werden muß, damit die feindlichen Ideen ihren Einzug unge 
hindert halten können. — 
Was lernen wir daraus? — Das, daß die wesenhafte Bedeutung der 
Kinderwelt von allen Parteien unterschätzt wird; das, daß es falsch ist, 
wollte man sich unbedingt einer Partei unterordnen, um von dieser volle Hilfe 
für die Jugend und für die Schule zu erhalten. — 
Was thut der Herr? 
Er schaut mit Unwillen auf seine Jünger; der höhnischen Frage der Gegner 
bietet er Antwort, eine volle, abgerundete, wohlverständliche; eine Antwort, die 
weder Hörner noch Zähne hat. Den Jüngern gegenüber nimmt er das Kind, 
herzt und segnet es. — Hier heißt's: Ja! Ja, ich höre, was diese sagen! So 
soll's sein! Das ist der Wille meines Vaters im Himmel. 
Erzählen die Himmel die Ehre Gottes; ruft der Baum in seiner Pracht:
	        

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