Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 23.1879 (23)

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I. Abtheilung. Abhandlungen. 
Mich, mich hat Gott gemacht! Gebt Gott die Ehre! : so soll auch das 
Lallen der Kleinen zum Lobgesang werden auf den Gott, der sie geschaffen hat, 
erlösen und heiligen will. — „Hörst du, was diese sagen?" — Ja! 
Ja! und jeder Lehrer, dem die Lösung der Aufgabe, die Kinder dem Herrn 
zuzuführen, zur Herzenssache geworden, wird dem Herrn für dies fröhliche, un 
umwundene „Ja" Dank sagen. Das ist und bleibt ein freundlicher Sonnenblick, 
belebend und erhebend für die, die in stiller, unscheinbarer Schulstube in aller 
Treue thun, was ihres Amtes ist. Mit diesem „Ja" des Herrn stehen sie fest 
allen spöttischen Angriffen gegenüber. Dies „Ja" wiegt schwerer als das 
Geschrei der Widersacher. — 
Dies vorausgesetzt, bin ich doch weit entfernt, mit diesem „Ja" den von 
Staat und Kirche geforderten Inhalt des religiösen Unterrichtes in seinem 
ganzen Umfange, oder die Art der Ausführung allüberall rechtfertigend 
decken zu wollen. Im Gegentheil glaube ich, diese Antwort unsers Herrn 
auch nur in den Grenzen gebrauchen und anwenden zu dürfen, die unsere Er 
zählung hat. — 
Die Kinder drängen sich herzu und singen freiwillig dem Herrn ein „Ho 
sianna" als dem Sohne Davids. — Wie erklären wir uns diesen Vorgang?— 
vr. Lange spricht einmal aus, die Preußen hätten vor andern Staaten 
darin einen Vorzug, daß sie in Besitz einer so großen, vaterländischen Geschichte 
wären, an der Alt und Jung zehren und sich erheben könne. Wir Lehrer stim 
men dem gewiß zu, räumen aber auch gerne ein, daß Israel zur Zeit des Herrn 
Jesu nicht bloß in gleicher, nein, in noch weit günstigerer Lage war. 
Israel hat eine Geschichte ohne Gleichen; eine Geschichte durch Jahrtausende 
hin; eine Geschichte gleich sehr zeugend von Beweisen der Liebe seines Gottes, 
wie auch vom Ernste desselben Gottes. Und die Alten hatten die Aufgabe, 
das aufwachsende Geschlecht mit dieser Geschichte seiner Väter bekannt zu machen. 
Der Kinder Fragen an den Festtagen sollten beantwortet werden; die Steine zu 
Gilgal sollten redende Zeugen bleiben, auf daß Kinder und Kindeskinder fort 
und fort gedächten der großen Thaten ihres Gottes. Die Alten sollten die 
Worte ihres Gottes zu Herzen nehmen und diese alsdann ihren Kindern einschärfen. 
Da leuchtete aus Israels Vergangenheit eine Hoffnung von Geschlecht zu Ge 
schlecht, die Hoffnung, daß die Herrlichkeit des zweiten Tempels größer werden 
solle, denn die Herrlichkeit des von Salomo erbauten; die Hoffnung, daß ein 
„Sohn Davids" kommen werde, dessen Reich ein ewiges, den die Könige der 
Erde anbeten, dem die Heiden dienen würden. 
Er erschien. Auch der Tag kam, an dem die Tochter Zions sich freute und 
die Tochter Jerusalems jauchzte, daß nun der König erschienen und seinen Ein 
zug gehalten. Die Alten singen, Jesus herrscht im Tempel, Thränen des Dankes 
werden geweint von den Kranken, die er heute noch gesund macht. Da begin 
nen die Kinder den Alten nachzusingen. Die kennen auch die Geschichte ihrer 
Väter, wissen von der Hoffnung ihrer Eltern, — sie singen mit, wenn Alles 
singt! — und der freundliche Blick des Herrn selber läßt sie nun ihren Mund 
um so fröhlicher aufthun. — 
Was folgt aus diesem Vorgang für unsern Religionsunterricht? Er gründe 
sich auf die Geschichte unserer Väter; er sei verwachsen und zwar aufs 
engste mit dem Glaubensleben der Eltern und der Lehrer; Eltern 
und Lehrer voran, die Kinder nach; das veranlasse die Kinder zu einem fröh 
lichen, ungezwungenen Aufthun ihres Mundes; nicht das „sagen", wie die 
Gegner hervorheben, sei Hauptsache, sondern das „singen und loben". Bleibt
	        

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