Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 23.1879 (23)

EvangkliW Schnlblatt. 
Ende März 1879. 
I. Abtheilung. Abhandlungen. 
Eine zeitgeschichtliche Betrachtung und eine Buchrecension. 
Vom Herausgeber. 
Vor mir liegt eine neue Schrift. Sie heißt: 
Das erste Schuljahr. Ein theoretisch-praktischer Lehrgang für Lehrer und 
Lehrerinnen, so wie zum Gebrauch in Seminarien. Bearbeitet von vr. W. 
Rein, Seminardirektor, A. Pickel, Seminarlehrer und E. Scheller, Lehrer 
an der Seminarschule in Eisenach. (Verlag von I. Bacmeister in Eisenach. 
1878.) 
Ich habe die Pflicht, die Leser auf dieses Schriftchen aufmerksam zu machen. 
Selten ist mir eine Pflicht so angenehm gewesen wie diese. Seit 1864, wo 
Zillers „Grundlegung" erschien, ist mir auch keine pädagogische Schrift zu Ge 
sicht gekommen, die mich so hoffnungsvoll und freudig gestimmt hätte wie dieses 
Büchlein für die Unterweisung der Kleinen. 
Ich möchte den Leser gern an dieser Freude theilnehmen lassen, um so mehr, 
da sie ihn so nahe angeht wie den Schreiber. Dieser Zweck macht es nöthig, 
der Besprechung des Buches (II.) eine zeitgeschichtliche Betrachtung (I.) voraus 
zuschicken. 
I. 
Im I. 1806 erschien Herbarts „Allgemeine Pädagogik", 1835 seine spe 
ciellere Schrift „Umrisse pädagogischer Vorlesungen." Das waren die ersten 
Erziehungsbücher, welche auf einer wissenschaftlich-psychologischen Basis ruheten. 
In ihnen klopfte eine Reform der großartigsten Gestalt an die deutschen Schul- 
thüren. Der didaktische Kern dieser Reformgedanken enthält zwei Gruppen pä 
dagogischer Wahrheiten. Dieselben entsprechen den beiden Theilen der Methodik. 
Die erste Gruppe bezieht sich auf den Lehrplan, d. i. auf Anordnung 
(Auswahl, Vertheilung und Verbindung) der Lehrstoffe. Sie fordert eine orga 
nische Verbindung der Lehrgegenstäude. 
Die andere Gruppe bezieht sich auf das Lehrverfahren, d. i. auf die 
unterrichtliche Bearbeitung der Lehrstoffe. Sie fordert eine den psychologischen 
Gesetzen entsprechende, vielseitige Durcharbeitung des Lehrmaterials, vor 
allem im einzelnen Pensum. 
Diese beiden Stammwahrheiten mit ihren Zweigen haben aber zur Vor 
aussetzung eine dritte Wahrheit, die stets stillschweigend hinzugedacht werden 
muß. Dieselbe hat es nicht mit der Methode und überhaupt nicht mit den 
Mitteln zu thun, sondern mit dem Ziele. Sie fordert, daß der Unterricht in 
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