Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

Konstruktion der Karten. 
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glaubt kürzen zu müssen! Da wird gleich mit Liebes-Eifersucht der Zusammen 
hang zwischen Geld und Ehre und Mut nachgewiesen. 
Einen solchen Standpunkt verlangen wir auch für die Sache 
der Volksschule. Mit dem großen Heer der 30 000 Volksschullehrer ließe 
sich mehr anfangen, wenn man es ernst anfinge. Man steht aber sicher nicht 
auf dem rechten Standpunkte, wenn man dem Stande gegenüber, wenn von Ver 
besserung seiner äußern Lage die Rede ist, so ohne Bedacht z. B. von „noch« 
nicht Verhungern" spricht. Oder wenn man, wie der Ritter v. Thadden, 
behufs besserer Bildung und gehöriger Demütigung, „die Seminaristen angesichts 
der lustwandelnden schönen Welt in der Nähe der Chausseen arbeiten zu lassen" 
den Rat giebt. 
Zu solchen Extremen, die sich selbst richten, haben sich Kirchenmänner wohl 
nimmer verstiegen. Da treten sie sicher, wo es zu einem öffentlichen Ausspruch 
kommt, für den Lehrerstand ein, denn sie fühlen ja wohl, daß doch der Lehrer 
Fleisch von ihrem Fleisch, Bein von ihrem Bein. 
Wir wollen also nicht den Dienern der Kirche vor allen andern Ständen 
eine Verkennung der wahren Sachlage zuschieben. Das ist nicht unsere Absicht, 
weil es nicht unsere Ansicht. Wir glauben im Gegenteil, daß der christlichen 
Schule nur Heil erwachsen kann im innigsten Verbände mit der Kirche und ihren 
Dienern. Wir erwarten auch nur von der Kirche und von deren Wiedergeburt 
die Wieder- und Neugeburt der Schule. 
Damit aber tritt gerade für uns die doppelte Verpflichtung hervor, 
auch mit einer gewissen Eifersucht den Freunden, die mit uns auf dem 
selben Grund und Boden stehen, mit dem uns möglichen Nachdruck es 
immerfort vorzuhalten, was die Schule und ihre Lehrer, mit deren 
Los unser Lebenslos zusammen geworfen, verlangen kann und verlangen 
muß. — 
Konstruktion der Karten 
als Uuterrichtsbehclf in der Volksschule. 
(Von T. Ruf, Lehrer in Nördlingen.) 
Es ist bekannt, welchen Wert graphische Darstellungen für ein richtiges Auf 
fassen und sicheres Einprägen beim Unterrichte haben. Die vor den Augen der Kin 
der auf der Wandtafel entstehenden Blatt- oder Tierformen, sind so wesentlich erfolg 
reiche Mittel, die Belehrungen des Lehrers zu verdeutlichen, seinen Vortrag zu beleben, 
als die besten vorgezeigten Abbildungen und selbst Naturgegenstände, ja befähigen 
in vielen Fällen die Kinder erst die wirklichen Naturgegenstände mit Nutzen zu 
beschauen. Welchen Behelf gewährt eine geometrische Figur einem verständigen 
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