Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

Korrespondenzen. 
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oder die Erreichung desselben anderweit gesichert ist. Die Entlassung kann auch 
probeweise und auf Widerruf erfolgen. 
Das die Zwangserziehung regelnde Gesetz vom 13. März 1878 ist bisher 
in unserer Provinz nicht besonders häufig zur Anwendung gekommen. Die Zahl 
der seit dem Inkrafttreten desselben (1. Oktober 1878) dem Proviuzialverbande 
während der ersten 1' .■ Jahre überwiesenen verwahrlosten Kinder wird 20 nicht 
übersteigen. Die Mehrzahl derselben ist in Anstalten untergebracht. Die Kosten 
der Verpflegung berechnen sich aus 120 bis 150 M. jährlich pro Kind. Die 
Gesammtausgabe, welche der Provinz aus diesem Verwaltungszweige erwächst, 
beläuft sich somit auf höchstens g -‘ 2 150 - 1500 M. jährlich. Außerdem bezieht 
das masurische Erziehungshaus in Lötzen neben den für die untergebrachten Kinder 
zu zahlenden Pflegegeldern eine jährliche Subvention von 1500 M. aus Provin 
zialfonds. 
Aus Ostpreußen. (Dinterfeier. — Ein pensionierter Lehrer.) — 
Am 29. Februar, dem Geburtstage des verstorbenen Konsistorial- und Schul 
rats Dinier, hat an vielen Orten unserer Provinz, so z. B. in Königsberg, 
Rastenburg, und wie Berichte aus Westpreußen melden, auch in einzelnen Städten 
daselbst, eine Gedächtnisfeier stattgefunden. Dinier ist seiner Zeit in unserer 
Provinz sehr beliebt gewesen, und eben deshalb ließen selbst ältere Lehrer, welche 
den Verstorbenen als Revisor gekannt hatten, sich durch das sechr schlechte Wetter 
und durch die bisweilen beträchtliche, ja meilenweite Entfernung vom Festorte 
nicht abhalten, der Festfeier beizuwohnen. 
In Königsberg wurde dieselbe durch den Gesang des vom verstorbenen 
Oberlehrer Fatscheck gedichteten „Dinierliedes": 
„Wir hatten wohl einmal 
Einen tapfern General" 
eingeleitet, worauf der Vorsitzende des Lehrer-Vereins, R. Meier, die Festrede 
hielt, in welcher er besonders die Verdienste Dinters speciell um das Schulwesen 
Preußens hervorhob. Unter den Anwesenden befand sich auch ein ehemaliger 
Zögling Dinters, wahrscheinlich der letzte der Zöglingsschar, Herr Sauter, Direktor 
einer höheren Töchterschule in K., der in Dinters Hause Kost und Pflege genossen. 
Selbstverständlich erfolgten aus dessen Munde interessante Mitteilungen über das 
Leben in dem Dinterschen Hause, sowie über Dinier selbst. Auch teilte derselbe 
mit, daß der Löbenichtsche Kirchenrat beschlossen habe, die Gebeine des Verstor 
benen von dem alten Löbenichtschen Kirchhofe, der geschlossen, nach dem neuen 
hinüberführen zu lassen. — Nachdem noch so manche interessante Mitteilung über 
Dinier, sein Leben und Wirken von verschiedenen Teilnehmern gemacht worden 
war, beschloß der gemeinsame Gesang des Liedes: „Zu Ehren der Schulmeisterei 
sind heute wir vereint re." die Feier. — Noch sei erwähnt, daß der Königsberger 
Lehrerverein beschlossen hat, die Grabstätte Dinters, sobald die Translozierung 
der Leiche erfolgt sein wird, durch eine eiserne Umfriedigung vor jeder Unbill 
zu schützen. Am Festtage hatte der Verein das Grab mit einem Lorbeerkranze 
geschmückt. — — In Rastenburg hielt Kollege W. einen Vortrag: „Die Bedeu 
tung Dinters für die Schule." Nach der Lehrer-Ztg. waren die Hauptgedanken 
etwa folgende. Dinter suchte die Schule in organischen Zusammenhang mit einem 
gesunden Volksleben zu bringen und rettete sie vor inhaltloser Phantastik und 
seichter Aufklärerei. Das wirklich Wertvolle der Philantropen, Verständnis für
	        

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