Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

III. Abteilung. Literarischer Wegweiser. 
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auf die Gegenwart. Verbesserung der 
äußeren Berhältnissc der sich emanzipie 
renden Volksschule. Die Methode bildet 
sich zum Gegensatz der früheren aus. 
Wir müssen dem Vers. das Zeugnis 
geben, daß er mit Gründlichkeit und 
Sachkenntnis den reichen Stoff behandelt 
hat. Wo es ihm nötig schien, hat er 
ausführliche Auszüge aus den Schriften 
hervorragender Pädagogen z. B. Co- 
menius, Pestalozzis u. s. w. mitgeteilt. 
Aus der neueren Zeit giebt er eine 
kurze, aber im ganzen genügende Dar 
stellung von der Gestaltung des Schul 
wesens in den einzelnen deutschen Staaten. 
Doch sind die Städte Lübeck und Bre 
men übergangen, während doch in der 
letztgenannten Stadt der Einfluß Lübens 
auf das Volksschulwesen ein bedeutender 
war. Nicht immer ist auch die neueste 
Schulgesetzgebung beachtet worden z. B. 
in Hessen-Darmstadt. Die S. 83 mit 
geteilte Instruktion für die Ortsschul 
vorstände rührt aus dem Jahr 1832 
her und ist durch die neuere vom 21.Sept. 
1874 außer Kraft gesetzt worden; über 
haupt hat der Vers. das neuere Hess. 
Schulgesetz so gut wie ignoriert, und 
die Hess. Schulverhältnisse im Vergleich 
mit andern deutschen Staaten etwas 
stiefmütterlich behandelt. 
Wir haben dem Buch größere Auf 
merksamkeit gewidmet, weil wir wünschen, 
daß dasselbe weitere Verbreitung und 
Beherzigung finden möge. Auch die 
äußere Ausstattung dient ihm zur Em 
pfehlung. Sir. 
Das Verfassungs- und Verwal- 
tungsrecht des Großherzog 
tums Hessen nebst dem Wissens 
werten aus der Verfassung und Ge 
setzgebung des Deutschen Reichs. 
Mit dem ersten Preise gekrönte und 
in allen hessischen Fortbildungsschulen 
u. s. w. obligatorisch eingeführte Preis 
schrift von Adolf de Beauclair, 
d. Z. Registrator im Großh. Hess. 
Ministerium des Innern in Darm 
stadt. Darmstadt 1878. Verlag von 
Arnold Bergsträßer. 
Wie schon auf dem Titel angedeutet 
ist, soll in den obligatorischen Hess. Fort 
bildungsschulen auch das Versassungs- 
und Verwaltungsrecht des Hess. Staates 
behandelt werden. Geschieht dies in 
rechter Weise und eum grano salis, 
so möchte nichts dagegen zu sagen sein; 
denn, daß die Bekanntschaft mit den 
betreffenden gesetzlichen Bestimmungen 
für jeden Staatsbürger wünschenswert, 
ja wenn derselbe seine Rechte und 
Pflichten ausüben soll, notwendig ist, 
liegt auf der Hand. Nur möchte zu 
bedenken sein, ob unsere 16 jährigen 
Jünglinge mindestens in der Mehrheit 
schon verstandesreif genug sind, Staats- 
einrichtungen, die ihnen noch ferne liegen, 
richtig zu fassen, und ob nicht Gefahr 
vorhanden ist, daß auf diese Weise un 
reife politische Räsonneurs gebildet wer 
den. Wenigstens gehört großer Takt 
von Seilen des Lehrers dazu, daß er 
nicht mehr verdirbt als nützt. Auch auf 
das Lehr- und Lernbuch, welches hierbei 
den Schülern in die Hände gegeben 
wird, kommt es wesentlich an, mit 
welchem Erfolg ein solcher Unterricht 
betrieben wird. Wir müssen nun 
dem vorliegenden Schriftchen das Zeug 
nis geben, daß die Anerkennung, 
die es durch Zuerteilung des ersten 
Preises gefunden hat, eine verdiente ist. 
Kurz und bündig, und doch leicht ver 
ständlich erteilt es Belehrungen im ersten 
Teil über die Verfassung des deutschen 
Reichs, sowie über die wichtigsten Ge 
setze von allgemeinem Interesse, über 
das Indigenatsrecht, das Recht der Frei 
zügigkeit, über den Unterstützungswohnsitz, 
die Reichs- und Staatsangehörigkeit, 
das Gewerbewesen wie das Heerwesen. 
Im zweiten Teil wird behandelt die 
hessische Staatsverfassung im allgemeinen, 
das Staatsoberhaupt, die Landstände, 
verfassungsmäßige Rechte und Pflichten 
der Hessen, Staatsdiener und höchste
	        

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