Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

Ein Wort für den Unterricht in Mineralogie ohne Chemie. 
45 
sichtigkeit und Härte und Schwere, lauter Dingen, an die sie nicht gedacht halten; 
ein neues Licht fing an in ihnen aufzudämmern; sie waren begierig, die Gesichts" 
punkte, nach welchen man einen Stein betrachten könne, kennen zu lernen. Nun 
nahm ich, ohne vorherige Einleitung über Form, Stoff u. s. w., nach der Reihen 
folge des in der Schule eingeführten Buches (Baumann's Naturgeschichte, heraus 
gegeben von Schmidt; später, Auflage 10 und 11, 1876 und 1879, von mir 
bearbeitet), die Salze, Erden und Steine, Metalle, Brenze durch; natürlich immer 
zuerst äußere Beschreibung, so weit als möglich von den Schülern selbst gegeben, 
dann Fundorte und Benutzung; die Grundstoffe wurden meist wenigstens genannt. 
Geognostisches knüpfte ich an die einzelnen Mineralien, die Bestandtheile von Gebirgs- 
massen bilden. Als Beispiel mag hier die Behandlung der Q uarzgruppe stehen. 
Ein Bergkrystall wird vorgezeigt. Deutlich ist die sechsseitige Säule; 
zu erkennen auch die sechsseitige Pyramide. Daß diese meist nicht ganz regelmäßig 
ist, schadet der Betrachtung nicht. Auf einer höheren Stufe kann man vielleicht 
eine Regel über diese scheinbare Unregelmäßigkeit aufstellen; bei uns ist das hier 
nicht möglich, aber auch nicht nöthig. Daß bei dem völlig ausgebildeten Krystall 
auch auf der andern Seite der Säule eine solche Pyramide sich findet, wird ein 
fach gesagt. Auch in höheren Schulen muß ja so manches einstweilen bloß 
gesagt werden. Daß der Bergkrystall seiner Form nach zum „Hexagonal-System" 
gehöre, wurde nicht erwähnt. 
Es wird nun also die Gestalt genau beschrieben: Zahl und Art der Flä 
chen, Kanten u. s. w. Mancher Schüler hatte wohl geglaubt, der Krystall sei, 
wie die Gläser an Kronleuchtern, geschliffen; er erfährt nun, daß er so ge 
wachsen ist. Auf das allmähliche Wachsen deutet wohl die wagrechte Streifung 
der Säulenflächen. Es kommt nun weiter Farbe („wie Glas"), Glanz, Durch 
sichtigkeit, Härte (gibt mit dem Stahle angeschlagen Funken, läßt sich mit dem 
Messer nicht ritzen, bei dem Versuche zeigt sich aus dem Steine ein Stahlstrich), 
Bruch. Nun das Vorkommen, die Verwendung.— Dann eine Amethystdruse, 
wie man sie auf der Messe bei den Obersteiner Händlern für weniges Geld 
kaufen kann. Dieselben Pyramiden; die Säulen selten nur angedeutet. Vorkom 
men und Verwendung. (Dies soll, als selbstverständlich, künftig hier in der 
Regel nicht besonders erwähnt werden.) — Quarzkrystall. Den kann man 
cher Schüler wohl schon im Taunus gefunden haben, und auch selbst in den 
Steinmassen, die aus dem Taunus zum Belegen der Landstraßen zu uns gebracht 
werden. — Dichter Quarz. Am Leinpfad, am rechten Ufer des Mains ober 
halb unserer Stadt, ist manches aus dem Spessart hergeschwemmte abgerundete 
Stück zu finden. Hier kommen wir auf die Glasbereitung und sagen, daß 
der Quarz an sich nicht schmelzbar ist, wohl aber wenn er, zerkleinert, mit gewissen 
andern Stoffen — Potasche, Soda — gemischt wird. Auch der Sand und der 
Kies unserer Müsse ist meist Quarz. — Nun wird auch der Sandstein be-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.