Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

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I. Abtheilung. Abhandlungen. 
trachtet. Unsere Schüler haben ihn als Baustein an vielen Häusern gesehen; da 
ist er meistens roth. Feinen grauen Sandstein sehen sie an der alten Börse, 
auch an Denkmälern auf dem Friedhofe. Daß dieser zu einer andern Formation 
gehört, zum Keuper, brauchen wir unsern Schülern noch gar nicht zu sagen, das 
hat für sie setzt keinen Werth. Sandstein können wir ihnen übrigens auch an 
stehend zeigen: am Mainufer Oberrad gegenüber einige Platten von gröberem 
Sandstein, Todtliegendem. Dasselbe Todtliegende können sie auf einem grö 
ßeren Aussluge — ich habe deren gar manche mit Schülern gemacht — in mäch 
tigen Felsen bei Vilbel sehen. Da ist er deutlich geschichtet; er ist durch Wasser 
allmählich abgelagert. Zeichnungen von Sandsteinfelsen, z. B. aus der sächsischen 
Schweiz oder der Gegend von Dahn in der Rheinpfalz, werden gezeigt; an ihnen 
die Form der Sandsteinberge. 
Nun zeigen wir ein Stück Granit, möglichst grobkörnigen. Der Quarz 
ist zu erkennen; die andern Bestandtheile, Feldspat und Glimmer, werden gezeigt 
und einstweilen benannt. Auf dem Friedhofe ist an mehreren Denkmälern Granit 
zu sehen. Der Granit ist nicht geschichtet, also wohl nicht vom Wasier abge 
lagert. Auf die Frage nach seiner Entstehung — einer Sache, wegen deren sich 
die Gelehrten streiten — gehen wir nicht ein. Wohl aber zeigen wir Abbildungen 
von Bergen und Felsen aus Granit. Bei mehrtägigen Ausflügen (mit Schülern 
der obersten Klasse) habe ich solche wohl auch im Odenwalde gezeigt. Bei Linden 
fels bestieg ich eine Höhe und ließ die Schüler erst nach Osten blicken. Da sind 
lauter flache Rücken mit geradlinigen Umrissen, Sandsteinberge, nur weit rechts, 
im Südosten, erhebt sich über das Sandsteingebirg kegelförmig der doleritische 
Katzenbuckel. Nun schnell herum gedreht, nach Westen; da erscheinen lauter 
Buckel: Berge aus Granit, Syenit, Porphyr. — Gneiß, Glimmerschiefer. 
Noch sind wir nicht fertig mit dem Quarz. Es kommt H o r n st e i n (manch 
mal auf dem Höhenzuge zwischen Main und Nidder zu finden), Kiesel holz 
(im Vilbeler Walde in großer Menge, öfters sonst auch schöne große Stücke ganz 
in der Nähe von Frankfurt), Kieselschiefer (sehr häufig in unserm Schutt- 
lande), Chalcedon, Achat (Achatklicker besitzt wohl mancher), Feuerstein (wo 
möglich auch Pfeilspitzen aus Feuerstein gezeigt), Jaspis, Halbopal (in den 
Doleritbrüchen von Kleinsteinheim bei Hanau nicht selten), Glasopal (auf Do- 
lerit in der Gegend von Frankfurt und Hanau). Beim Edelopal wird aller 
dings auch auf die Schaufenster der Juweliere verwiesen; das hat dann aber 
seinen Zweck. Auch habe ich bei diesem an eine Stelle aus Lessings Nathan, die 
in unserm Lesebuche stand, erinnert. 
Wenn nun s o die Quarzgruppe durchgenommen ist, haben dann die Schüler 
bloß eine vorübergehende Liebhaberei gewonnen? Sind sie nicht lebhafter und 
dauernder angeregt als durch zufällige Blicke in Schaufenster? Haben sie nicht 
einen Besitz? Haben sie diesen nicht auch ohne Kenntniß der Chemie?
	        

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