Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

Korrespondenzen. 
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Anlaß der projektierten Einführung von Haus- Industrie-Unterricht eine Rundreise 
durch einzelne oberschlesische Notstandsdistrikte unternommen und den Ort Kodier 
im Kreise Pleß als eine zweckmäßige Station für die Eröffnung dieses Unterrichts 
zweiges bezeichnet. Von Seiten des Ministeriums ist für die Vorbildung von 
zunächst einer Lehrkraft für den Handfertigkeits-Unterricht Vorsorge getroffen worden. 
Die „Schlesische Zeitung" teilte hierauf bezüglich mit, daß die Regierung zu 
Oppeln auf Veranlassung des Herrn von Klauson-Kaas den Hauptlehrer Urban 
zu Kodier, Kreis Pleß, zu einer 9wöchentlichen Studienreise nach Dänemark beur 
laubt habe, um die Ausstellungen von Gegenständen der Hausindustrie, sowie die 
Hausfleißstätten aus den dänischen Inseln zu besichtigen und in Kopenhagen an 
einem Kursus zur Ausbildung in der Haus-Industrie teilzunehmen. Herr Urban 
hat in der Zeit vom 26. Juni bis 3. Juli unter Leitung des Herrn von Klauson- 
Kaas die Ausstellungen in Faaburg, Aarup, Kjerteminde und Samsö und auch noch 
diejenige in Kopenhagen besucht und eingehend besichtigt. Die genannten Aus 
stellungen trugen durchweg das Gepräge reichster Mannigfaltigkeit und bekundeten 
eine hohe Leistungsfähigkeit der Arbeiter. Ausgestellt wurden: Laubsäge-, Bild 
schnitzer- und Papparbeiten, Bürsten, Schuhe, kleine Korbwaaren, Tischler-, Böttcher-, 
Drechslerarbeiten, Haus- und Wirtschaftsgeräte, Decken, Teppiche, Klöppel-, Näh-, 
Strick-, und Häkelarbeit, Fischnetze, künstliche Blumen, Blumentische u. s. w. Alle 
Ausstellungsgegenstände — nur von Laien angefertigt — zeichneten sich durch 
saubere Ausführung, manche durch hohe Kunstfertigkeit und guten Geschmack aus. 
Eigenartig ist auf der Ausstellung in Faaburg das Ausstellungsobjekt eines Bauern 
auf Fünen gewesen. Derselbe hat sich in seinen Mußestunden mit der dänischen 
Geschichtsforschung, speciell mit den dänischen Altertümern beschäftigt, das Resultat 
seiner Studien hat er nun selbst geordnet und zusammengestellt, selbst gedruckt, 
die Bogen geheftet und das Buch selbst eingebunden. In der Zeit zwischen dem 
Besuch der einzelnen Ausstellungen hat Herr Urban über die innere Organisation 
der Hausfleiß-Vereine sich zu informieren gesucht. Ebenso hat er wiederholt 
Gelegenheit genommen, von den häuslichen Verhältnissen der dänischen Landbevöl 
kerung und ihrem Volksschulwesen Einblick zu gewinnen. Er fand im allgemeinen 
einen behäbigen Wohlstand, und manche, in weiteren Kreisen bisher unbekannt 
gebliebene Einrichtungen. „Land und Leute sind prächtig." Damit bezeichnete 
der Beobachter kurz die Eindrücke, welche er auf seiner Reise durch die dänischen 
Jnseldistrikte gewonnen. Mit dem Besuch der letzten Ausstellung in Kopenhagen 
hat Herr Urban den ersten Teil seines Kommissoriums erledigt. Vom 5. Juli 
an hat er dann in Kopenhagen während eines 6wöchentlichen Aufenthalts an dem 
vom Rittmeister von Klauson-Kaas geleiteten Kursus zur Ausbildung in der 
Hausindustrie teilgenommen. Der Kursus ist von 10 jungen Damen und 15 
Herren besucht worden. In demselben hatten die Teilnehmer die Anfertigung der 
verschiedenen Gegenstände des Haussteißes praktisch zu erlernen. Herr Urban ist, 
wie er mitteilte, zunächst als „Bürstenbinder" in Thätigkeit getreten. Ob der 
dankenswerte Versuch zur Einführung der Hausfleiß-Jndustrie in oberschlesischen 
Bezirken trotz der mannichfachen, daselbst obwaltenden Hindernisse gelingen wird, 
muß die Zukunft lehren. 
Über die weitere Entwickelung dieser Angelegenheit teilte die „Schlesische 
Zeitung" weiter folgendes mit. Im Laufe des Sommers hat unter Vorsitz des 
königl. Regierungspräsidenten Freiherrn v. Quadt und Hüchtenbrück zu Oppeln 
eine Konferenz stattgefunden, an welcher eine größere Anzahl Mitglieder des Re
	        

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