Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

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Korrespondenzen. 
gierungs-Kollegiums, ein Vertreter des Ober-Präsidenten, sowie mehrere hervor 
ragende Persönlichkeiten aus Oppeln teil genommen haben. Bei den Beratungen 
hat man den Wert des Handfertigkeits-Unterrichts sowohl an sich, als auch ins 
besondere für Oberschlesien, einstimmig anerkannt und ist zu dem Resultate gelangt, 
daß wenngleich gerade die oberschlesischen Verhältnisse der Einführung außerordentliche 
Schwierigkeiten entgegenstellten, diese bei zweckentsprechendem Vorgehen doch nicht als 
unüberwindlich zu betrachten seien. Der allgemeinen Einführung dieses Unterrichts 
in Oberschlesien müsse ein auf entsprechend breiter Basis ruhender Versuch vorher 
gehen und sei die Errichtung von mehreren Versuchsstationen notwendig. Von der 
direkten Anbahnung einer Hausindustrie sei Abstand zu nehmen; es müsse ein 
Bezirks-Komitee und eine entsprechende Anzahl von Lokal-Komitees gebildet werden, 
welche das Interesse für die Sache in weiteren Kreisen anzuregen hätten. So 
wesentlich bei den Beratungen der Gesichtspunkt der Bildung einer Hausindustrie 
für Oberschlesien auch hervorgetreten, so hat man doch ein mindestens gleich großes 
Gewicht auf den erziehlichen bezw. sittlichen Einfluß einer solchen Heranbildung 
gelegt, indem man von der Annahme ausging, daß durch die Ausbildung des 
Thätigkeitstriebes einerseits, und durch die Erhöhung der Erwerbsfähigkeit anderer 
seits die Lust und Liebe zur Arbeit geweckt und der Oberschlesier gleichzeitig mehr 
an das Haus gefesselt werde. — 
Übrigens bestehen in Mittelschlesien bereits Arbeitsschulen nach dem System 
von Klauson-Kaas und zwar in Ober-Waldenburg und Dörnhau Kreis Walden 
burg. Die Erfahrung wird zeigen, ob die an die Einführung dieses Unterrichts 
geknüpften Hoffnungen in Oberschlesien sich erfüllen werden. Wenn dies geschieht, 
dürfte damit die Anregung zu einer allgemeinen Einführung dieses Unterrichts- 
zweiges in den Schulen gegeben sein. Damit würde der von Pestalozzi aus 
gesprochenen Forderung, in den Erziehungsplan auch die methodische Ausbildung 
der Thätigkeitsanlagen des Menschen aufzunehmen, Rücksicht getragen werden. 
Aus der Provinz Brandenburg. Vom 26. August bis 1. September c. 
fand an dem Seminar zu Königsberg N. M. die diesjährige Entlassungsprüfung 
statt. An dieser beteiligten sich 24 Zöglinge des Seminars und 10 Bewerber. 
Von letzteren war nur einer ohne jede Seminarvorbildung. Die meisten hatten 
schon mehrmals den mißlungenen Versuch gemacht, die Lehrerprüfung zu bestehen; 
einige waren zum 3. und 4. Male erschienen. Die Prüfung hatte das günstige 
Resultat, daß alle Zöglinge der Anstalt und 5 Bewerber dieselbe bestanden. 
Die Aufgaben für die schriftliche Prüfung waren folgende: 
1. Religion: Die Erleuchtung durch den heiligen Geist. 
2. Aufsatz: Erziehung durch Unterricht. 
3. Rechnen: I. Zwei Kapitale betragen zusammen 2840 M. und geben jährlich 
134^2 M. Zinsen. Wie groß ist jedes, wenn das eine zu 4^2 % und 
das andere zu 5°/o ausgeliehen ist? II. A soll 200 M. nach 2 Mo 
naten, 400 M. nach 3 Monaten und 600 M. nach 5 Monaten ohne 
Zinsen zahlen. Er zahlt aber 200 M. nach 2^2 Monaten und 400 M. 
nach 3 3 /4 Monaten. Wann hat er den Rest zu zahlen? 
4. Geometrie: I. Die Kugelzone ist gleich dem Produkt aus ihrer Höhe und 
dem Umfang des größten Kugelkreises. II. An zwei gegebene Kreise 
6. und M. eine gemeinschaftliche innere Tangente zu legen.
	        

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