Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 24.1880 (24)

Korrespondenzen. 479 
5. Naturkunde: Die Natriumverbinduugen, welche häufig im Haushalte gebraucht 
werden. 
6. Geschichte: Die Arbeit zur Wiedergeburt Preußens nach dem unglücklichen 
Kriege 1806 und 1807. 
7. Geographie: Die deutsche Nord- und Ostseeküste nach ihrer physischen Be 
schaffenheit und Bedeutung für Seewesen und Handel. — 
Der Zudrang zum Lehramt ist gegenwärtig in unserer Provinz ein sehr 
großer. Im vorigen Jahre hatten sich zu der Präparandenprüfung am Seminar 
zu Königsberg N. Ai. 102 Aspiranten gemeldet. Auch zu der diesjährigen Ende 
September stattsindenden Aufnahmeprüfung haben sich bereits über 100 Präparan- 
den gemeldet. Das Nachbarseminar Neuzelle hat zu dem letzten Prüfungstermine 
gar 134 Aspiranten gehabt, von denen nur 33 haben Aufnahme finden können. — 
Ein eigentümliches Verhängnis scheint über dem Seminar zu Drossen zu 
schweben. Hat doch dasselbe im Laufe dieses Semesters zwei begabte im besten 
Mannesalter stehende Lehrer, die dort seit Jahren mit Segen gewirkt, aus wahr 
haft schreckliche Weise verloren. Ostern dieses Jahres wurde der Seminarlehrer 
S. von Drossen nach Oranienburg versetzt. Er sollte jedoch dort in neuer Um 
gebung und in seinem neuen Amte die vorteilhafte Beeinflussung seines krankhaften 
Zustandes nicht erfahren, welche man mit dieser seiner Versetzung beabsichtigt hatte. 
Es war ihm nicht vergönnt, sein neues Amt noch anzutreten; eine Geisteskrankheit, 
deren Spuren man bereits in Drossen seit längerer Zeit wahrgenommen hatte, 
kam zum Ausbruch und machte die Aufnahme in eine Heilanstalt notwendig. Er 
sollte hier jedoch nicht mehr die Heilung finden, die man erhofft hatte; andrerseits 
ist ihm aber auch das schreckliche Schicksal erspart geblieben, Jahre lang umnach- 
teten Geistes ein Scheindasein zu führen; der Tod hat ihn bald von seinen 
Leiden erlöst. 
Ani 21. Juli c. hat abermals ein grausiger Tod einen im besten kräftigsten 
Mannesalter stehenden Lehrer des Seminars zu Drossen, der dort seit ca. 7 
Jahren zum Segen der Anstalt gewirkt hat, hinweggerissen und zwar zu einer 
Zeit, in der er eben im Begriff war, seine junge Gattin in sein festlich geschmücktes 
Heim zu führen. — Der Seminarlehrer L. hatte am 20. Juli c. mit der Tochter 
des Kaufmanns M. in Drossen im Kreise seiner Kollegen und anderer Freunde 
seine Hochzeit gefeiert. Am Morgen des nächsten Tages war L. mit seiner 
Schwägerin, einer verheirateten Schwester seiner Frau in seiner Wohnung be 
schäftigt, um dieselbe für den nahe bevorstehenden Einzug seiner jungen Frau zu 
rüsten. Nach Vollendung dieser letzten Vorbereitungen trank er mit seiner Schwä 
gerin zum Frühstück ein Glas Wein und machte sich dann auf, um seine junge 
Gattin heimzuführen. 
Er sollte jedoch sein Haus nicht mehr lebend verlassen; er fiel nach wenigen 
Schritten hin, von einem gräßlichen Gifte, das in dem Wein enthalten gewesen, 
getötet. Während L. das ganze Glas Wein geleert, hatte seine Schwägerin nach 
Frauenart nur daran genippt und ist nach schweren von dem genossenen Gifte 
herrührenden Krämpfen wieder genesen. Noch schwebt ein tiefes Dunkel über dem 
schrecklichen Ende dieses Mannes. Er war Lehrer der Naturwissenschften und hat 
sich — auch in seiner Wohnung — viel mit chemischen Experimenten, bei denen 
er auch sehr giftige Stoffe gebraucht, beschäftigt. Die Möglichkeit, daß er das 
Opfer einer Unvorsichtigkeit und unglücklichen Zufalls geworden, ist nicht aus 
geschlossen, obgleich bis jetzt nach keiner Seite hin ein bestimmter Anhalt ge 
funden ist. —
	        

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