Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 25.1881 (25)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
fitslt und zeigen die allmähliche Besiegung der Ungerechtigkeit durch die Gerechtigkeit, 
der Lüge durch die Wahrheit. Sein Stil ist korrekt, einfach und leicht dahin 
fließend ; er trifft den eigentlichen Kindeston, ohne trivial und breit zu werden; 
die Darstellung ist höchst interessant. Alles Moralisieren ist streng ferngehalten, 
da unser Verfasser lediglich durch Thatsachen und Charaktere auf seine Leser ein 
zuwirken weiß. Es konnte daher nicht fehlen, daß ihm die wärmste Anerkennung 
von den bedeutendsten Zeitgenossen zu Teil geworden ist. Wir nennen von letzteren 
nur Alexander von Humboldt, E. M. Arndt, Willibald Alexis,^ Friedrich von 
Raumer, Diesterweg, die Professoren Böckh, Dielitz, Fichte, Drohsen. Wer wollte 
es daher wagen, F. Schmidts Verdienste herabzusetzen und anders als mit dem 
Hute in der Hand an ihm Kritik zu üben? 
Nach F. Schmidt sind die bedeutendsten Schriftsteller: Wilhelm Örtel, ge 
nannt von Horn*), Gustav Nieritz, Franz Hoffmann**), Körber, Baron. 
von Horn***) ist vorzugsweise Volksschriftsteller und gab seit 1846 die 
Spinnstube heraus, welche sich durch ihre Sprüchwörter, Rätsel, Lieder, Anekdoten 
und Schmied-Jakobs-Erzählungen allgemeine Beliebtheit erworben hat. Sie gehört 
aber, wie seine „Silberblicke" und „Moje" nicht in die Jugend- sondern in die 
Volksbibliothek. In seinen Jugendschristen behandelt er vorzugsweise geschichtlich 
bedeutsame Personen und welthistorische Begebenheiten und zwar zu dem löblichen 
Zweck, seine jugendlichen Leser „von den romanhaften Gebilden der sonstigen Ju 
gendschriften zur Auffassung wirklicher Lebensverhältnisse hinüberznleiten." Er 
schildert das Volksleben mit Wärme, Wahrheit und Anschaulichkeit in einer kor 
rekten und allgemein verständlichen Sprache. Die meisten seiner unübertrefflichen 
Erzählungen haben ihren Schauplatz auf dem Hundsrück, seiner engern Heimat; 
wahrscheinlich fesselt ihn diese Gegend durch die Biederkeit ihrer Bewohner ganz 
besonders. 1) 
Gustav Nieritz 11), der fruchtbarste und bekannteste der Jugendschriftsteller 
dieser Periode, gab, um aus seinen gedrückten Verhältnissen herauszukommen, die 
Erzählung „Das Pomeranzenbäumchen" heraus, welcher allmählich 120 Bändchen 
*) v. Horns Nachfolger war Ottokar Schupp. 
**) Sein Mitarbeiter hieß Oskar Höcker. 
***) von Horn war lange Zeit Superintendent in Sobernheim im Nahethal und starb 
1867 in Wiesbaden. 
I) Wohlgelungene seiner Jngcnderzählungen sind: „Das Leben Derfflingers", „Von dem 
Manne, der uns den Weg nach Amerika gewiesen", „James Watt, der Erfinder", „George 
Stephenson, der Mann der Eisenbahnen", „Franz Drake, der Mann, der uns die Kartoffeln 
gebracht hat", „Benjamin Franklin, Lebensbild eines Ehrenmannes aus Amerika", „Das 
Leben des Prinzen Engenius", „Das Büchlein vom Feldmarschall Blücher", „Von dem 
frischen und mutigen Seydlitz." 
II) Nieritz 1796 zu Dresden geboren, wo er Hülfslehrer seines Vaters an einer 
Armenschule wurde und dort 1877 als Direktor einer Bezirksschule starb.
	        

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