Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 25.1881 (25)

Die deutsche Schülerbibliothek und Jugendlitteratur. 365 
§ 24. Märchen und Sagen. 
Schon aus der Sprache der Kindheit gehen die ersten Phantasiegebilde her 
vor, die sich im Märchen zu Helden, Prinzen und Feen ausgestalten. Die vielen 
Kniereiterliedchen werden von dem Kinde mit regem Interesse gehört und endlich 
von demselbem nacherzählt und nachgesungen. Dabei steigert sich seine Teilnahme 
noch durch die Vorstellung des Gefährlichen, durch die beliebten und oft wieder 
kehrenden Wunder- und Schreckmomente auf des Vaters Knie.*) Ferner nimmt sich 
das Kind den Stock des Vaters als erstes Steckenpferd zwischen die Beine und reitet 
damit umher. Dem Steckenpferd folgt bald das Schaukelpferd, bei welchem die 
Reitlust des Kindes noch erhöht wird, weil das Schaukeln die Momente des mög 
lichen Herabfallens und die Gefahr in sich schließt, und bei dem kühnen Hin- und 
Herschwanken der Mut angefeuert wird. Das spielende Kind verwandelt in seiner 
Vorstellung jeden Gegenstand in das, was es eben braucht; es bethätigt also 
praktisch eine Macht der Phantasie, welche die Erscheinung willkürlich wechseln läßt 
und doch die Einheit der Sache oder Person dabei festhält. Da der Inhalt des 
Märchens ebenfalls die Verwandlung ist, welche durch den Zauber der Phantasie 
bewirkt wird, so bilden, stofflich genommen, gute Märchen die dem Bedürfnis des 
ersten Kindheitsalters entsprechendste Poesiegattung. Die neuere Pädagogik räumt 
daher der Märchenlitteratur eine entschiedene Bedeutung ein, indem sie den Ge 
brauch inhaltreicher Märchen lebhaft befürwortet. Aber gerade auch in neuerer 
Zeit wurden seitens der Pädagogen allerlei Bedenken gegen die Märchen als 
Jugendunterhaltung vorgebracht. So sagt Karl Oppel in seinem „Buche der 
Eltern": „Eine große Zahl der Märchen füllt die Phantasie mit scheußlichen 
Bildern, mit Schreckgestalten und begründet und fördert dadurch Furcht, Angstlich- 
An der Brezel hast du mehr. 
„„Und warum,"" fragt er darauf, 
«„Issest du nicht selbst sie auf?"" 
„Weil ich," sagt sie, „heut' schon eine 
Solche Brezel hab' verzehrt. 
Doch es war nur eine kleine, 
Nicht so viel, wie diese, wert. 
Willst du nicht, so sag' es doch, 
Und ich eff’ auch diese noch!" 
„„Nun, so nimm ihn meinetwegen,"" — 
Sagt er, der sich schnell bedacht — 
„„Weil so viel dir dran gelegen!"" 
Und der Tausch ist abgemacht. 
Franz, das nenn' ich hübsch von dir, 
Ich hätt' auch getauscht mit ihr. 
*) Vgl. Schalle, schalle Reiter, Wenn er fällt, dann leit er ... . 
Oder: War ein Mann ins Wasser gefall'n, Ich hab ihn hören plumpen. . . . , wobei 
das Kind selber Plumps machen und heraufgezogen sein will.
	        

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