Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 25.1881 (25)

II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographieen rc. 419 
nicht nur um der oben angedeuteten günstigen Erfolge willen, sondern^auch deshalb, 
weil sie das wirksamste Mittel sind, um die Lehrer von solchen Lehrervereinen 
zurückzuhalten, welche, anstatt ihren Mitgliedern den Segen eines wahrhaft geistig 
sittlichen Anhalts zu bieten, dieselben in der treuen Erfüllung ihrer nächsten 
Pflichten unsicher machen, ihre Aufmerksamkeit auf Gegenstände richten, welche 
außerhalb ihrer Kompetenz liegen und ihnen selbst die Freude an ihrem Berufe 
verkümmern. 
Um also den in großer Zahl vorhandenen ernsten und strebsamen Volksschul 
lehrern die Wege zu ebnen, auf welchen sie in lebendiger und fruchtbringender Ver 
bindung mit ihren Berufsgenossen und mit ihren natürlichen Autoritäten, ihren 
Lehrern und Vorgesetzten bleiben, sich in ihrer Amtsthätigkeit weiter bilden können 
und vor geistiger Verkümmerung bewahrt werden, ordnen wir im Aufträge des 
Herrn Ministers der geistlichen rc. Angelegenheiten die Abhaltung der bezeichneten 
Konferenzen vom nächsten Jahre ab hierdurch an. 
Es soll zunächst nur eine Konferenz stattfinden; dieselbe ist im Monat Mai 
oder in der Zeit zwischen den Sommer- und Ernteferien (September) und zwar 
womöglich in einer Zeit abzuhalten, in der die Volksschullehrer unterrichtsfrei find. 
Die eventuelle Anordnung einer zweiten ähnlichen Konferenz behalten wir uns vor. 
Die Beteiligung an der Konferenz seitens der Volksschullehrer soll eine frei 
willige sein. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Lehrer aus dem Seminar 
orte und dem nächsten Umkreise sich vorzugsweise zu diesen Vereinigungen einfinden 
werden. Die Erlaubnis zur Teilnahme werden dieselben bei ihren nächsten Vor 
gesetzten einzuholen haben. Um aber diese Konferenzen auch für weitere Kreise 
zugänglich und fruchtbar zu machen, haben die beiden Königlichen Regierungen 
hier und zu Gumbinnen sich bereit erklärt, dafür zu sorgen, daß auch vom 
Seminarorte entfernter wohnenden Lehrern auf ihren Wunsch die Beteiligung durch 
Bewilligung eines entsprechenden Urlaubes seitens der Schulinspektion ermöglicht 
werde. Auch werden Euer Wohlgeboren die nahe wohnenden Lokal-Schulinspektoren, 
sowie den Schulinspektor des Kreises und den mit der Teilnahme an der Seminar- 
Entlassungs- und zweiten Lehrerprüfung beauftragten Regierungs-Schulrat einzuladen 
haben. 
Die Konferenzen sind am Vormittage, etwa um 9 Uhr, mit einer kurzen 
Andacht zu eröffnen und am Nachmittage etwa um 4 Uhr zu schließen, damit die 
Teilnehmer aus der Nähe noch rechtzeitig an demselben Tage ihren Wohnort erreichen 
können. Der Verlauf, welchen die Konferenzen zu nehmen haben, ist bereits oben 
angedeutet; wir bemerken nur, daß es angemessen erscheint, daß die Vorträge in 
einer auch für schwächer vorgebildete Lehrer faßlichen und anregenden Form vom 
Seminar-Direktor oder einem Seminarlehrer, die Lehrproben entweder vom letzteren 
oder von einem Volksschnllehrer in der Seminarübnngsschule gehalten werden. 
Auch wird es sich empfehlen, Mitteilungen aus solchen Schriften (älterer und 
neuerer Zeit) zu geben, welche von den Lehrern gekannt und genau erwogen 
zu werden verdienen. Vorzugsweise bei diesen Mitteilungen wird der gesprächs 
weisen Beteiligung der versammelten Lehrer Raum zu gewähren sein. Erwünscht 
wird es sein, wenn seitens der versammelten Lehrer wichtige Erfahrungen aus 
hrem Schulleben mitgeteilt werden. Endlich würden hier auch musikalische Übungen 
der versammelten Lehrer, welche zunächst der Musiklehrer des Seminars zu leiten 
haben wird, und zu dem event, auch tüchtige, im Gesänge gut geübte Seminaristen 
zuzuziehen sein werden, anregend wirken können. Gesänge, welche das religiöse 
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