Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 26.1882 (26)

Die Selbst ent schuldigung — meist gleich der Selbstbeschuldigung. 247 
Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze, und hat die Verheißung dieses 
und des zukünftigen Lebens. — 
Wohl dem, der den Herrn fürchtet. Du wirst dich rühmen deiner Hände 
Arbeit; wohl dir, du hast es gut! 
Die Selbst ent schuldigung — meist gleich der Selbst- 
b e schuldigung. 
(Kurzer Vortrag in einer pädag. Konferenz.) 
Ich glaubte für unsere erste Versammlung nach den Ferien nichts anderes 
nehmen zu sollen, als, wenn auch nur in ein paar Andeutungen, etwas von dem, 
was das erste und letzte für den Christen sein soll, und für den Lehrer 
zweifach, damit er habe „Brot zu essen" und „Samen zu säen" — ich meine 
das Wort Gottes! Heißt es doch schon im 1. Psalm: „Wohl dem, der über 
seinem Gesetz sinnet Tag und Nacht" — Gesetz gewiß hier in weiterer Bedeu- 
tung, im Sinne von Offenbarung überhaupt genommen, ähnlich wie der Ausdruck 
Gebot im Ev. Joh. Kap. 15. 
Ich wurde aber noch auf zweifache Weise besonders auf diesen wichtigen 
Gegenstand gewiesen; einmal dadurch, daß ich von lieber Hand ein Werk zum 
Geschenk erhielt, worauf ich auch Ihre Aufmerksamkeit richten möchte: „Die Wahr 
heit und Autorität der göttlichen Offenbarung" (aus dem Englischen von Robert 
Haldone) Hamburg bei Onken — und sodann durch einen Brief des sel. Pf. 
Rein im Badischen, der mir dieser Tage wieder in die Hände kam, worin es 
unter anderem heißt: „Es will mir oft der Mut klein werden, wenw ich die 
Bosheit der Feinde, ja oft noch kleiner, wenn ich die Halbheit der Kinder des 
Reiches ansehe. Nur ganz wenige stehen zu ihrem Herrn und Gott fest und 
treu, und ebenso stehen nur wenige zu seinem Worte, wie er selbst dazu ge 
standen ist. Das letztere ist ein Grundschaden der Gläubigen. Sie können 
nicht erstarken, so lange sie so rationalistisch zur heiligen Schrift stehen. Es thut 
einem herzlich wohl, wenn man einmal wieder einem vollen Nettoglauben begegnet. 
Ganze Männer in Christo wachsen nur aus dem ganzen Samen; aus einem 
Samen, wo Göttliches und Menschliches gemischt sein soll, wachsen nur gemischte 
Männer ohne allen festen Bestand.*) Selbst den Gläubigen ist aber die heilige 
Schrift ein solches elendes — unmögliches — Gemengsel; daher auch die Halbheit 
und Lauheit, die der Herr ausspeiet. Möge der Herr uns und alle Gläubigen zu 
ganzen Herzen machen!" So weit Pf. Reins Worte. 
*) Shakespeare sagt: „Ja und Nein, das ist keine gute Theologie".
	        

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