Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 26.1882 (26)

252 H. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographieen rc. 
wenig Personen entschließen können, solche Stellen anzunehmen. Dazu kommt, 
daß selbst der geringe Gehalt nur unregelmäßig ausbezahlt wird. Charakteristisch 
sind folgende Thatsachen: In der kleinen Stadt Loriguilla dient das zu Schul 
zwecken benutzte Lokal zugleich als Gefängnis, sodaß jedesmal, wenn ein Arrestant 
eingebracht wird, der Lehrer seine Klasse schließen muß. Die Mädchenschule zu 
Nedovan hat kein anderes Mobiliar als kleine Schemel, welche die Schülerinnen 
sich mitbringen müssen. Der Besitz der notwendigsten Schulbücher wird als 
unerlaubter Luxus betrachtet. Doch wächst das öffentliche Interesse am Schul 
wesen, wie eine in Barcelona abgehaltene zahlreiche Arbeiterversammlung beweist. 
Dieselbe sprach sich für Einführung des Laienunterrichts und für Ausschließung des 
Religionsunterrichts aus dem Lehrplan der Volksschule aus. Man will dadurch 
den Einfluß des kath. Klerus auf das Schulwesen beschränken, da derselbe allein 
den Unterricht in der Religion erteilen darf. 
Über Schweden sagt die Chronik von 1879: „Giebt es ein Land in 
Europa, dessen Schulwesen dem deutschen an die Seite gestellt werden kann, 
so ist es Schweden. Da herrscht Thätigkeit und Fortschritt in allen Rich 
tungen, Opferwilligkeit in Staat, Län (Regierungsbezirk) und Gemeinden. Selbst 
Finnen und Lappen in dem fernen Eismarken des Nordens werden auf Staats 
kosten die Segnungen des Unterrichts zu teil. Zwölf Seminare, von denen eins 
neuerdings in Umea, 2*/2 Grad südlich vom Polarkreise, gegründet wurde, bilden 
die Lehrer und Lehrerinnen des Landes. Die Schulpflicht beginnt mit dem 
7. und endet mit dem 14. Lebensjahre. Volksschulen besitzt das Reich 8940, an 
welchen 4860 Lehrer und über 4730 Lehrerinnen unterrichten. Doch bleiben noch 
13 000 Kinder ohne Unterricht. 
In Frankreich waren während des Schuljahrs 1878/79 noch 259 Ge 
meinden ohne Schule. 52 830 Schulen waren nur für Knaben, 29 799 nur für 
Mädchen, 17 231 gemischt. Die Zahl der Lehrer ist 53941, die der Lehrerinnen 
63510. Im Jahr 1832 konnten 52°/o der Rekruten lesen, im Jahr 1879: 
850/0. Das Budget des öffentlichen Unterrichts beläuft sich 1881—82 auf 
85 262471 Fr., auf das Volksschulwesen kommen im ganzen davon 21 715000 Fr. 
Neuerdings ist der Schulzwang und die Konfessionslosigkeit der Schulen von 
den Kammern beschlossen worden. Sämtliche Kinder sollen vom zurückgelegten 6. 
bis zum zurückgelegten 13. Lebensjahr die Schule besuchen. Mit 11 Jahren 
können sie auf Grund einer gut bestandenen Prüfung vom weiteren Schulbesuche 
befreit werden. Jede Gemeinde bestellt eine Schulkommission, welcher die Über 
wachung der Schule anvertraut ist. Die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen 
sind von der Wahl in die Schulkommissionen nicht ausgeschlossen, haben aber von 
Amts wegen kein Aussichtsrecht zu beanspruchen. Der Senat beantragte, daß in 
das Unterrichtsprogramm auch die Lehre von den Pflichten gegen Gott und 
das Vaterland aufgenommen werden solle, die Deputiertenkammer verwarf diese 
Bestimmung. Der Religionsunterricht soll außerhalb der Schule von den Geist 
lichen erteilt werden. 
In Belgien kam 1879 ein Gesetz zustande, welches die völlige Trennung 
der Schule von der Kirche ausspricht, so daß die Geistlichkeit als solche über die 
Schule nichts mehr zu sagen hat. Der Religionsunterricht ist der Fürsorge der 
Familie und der Geistlichkeit überlassen. Eine Räumlichkeit in der Schule wird 
der letzteren zur Verfügung gestellt, damit sie darin vor oder nach der Klasscn- 
stunde den Kindern ihrer Konfession Religionsunterricht erteilen kann.
	        

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