Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 27.1883 (27)

Anfang Äannar 1883. 
I. Abteilung. Abhandlungen. 
Ein Beitrag zur Organisation der Mittelschule. 
(Von E. Henschel, erstem Lehrer an der Bürgerschule zu Arnstadt.) 
„Was ihr am Volke thun wollt, 
das thut an seinen Kindern." 
Fichte. 
Nach den preußischen ministeriellen Allgemeinen Bestimmungen entspricht es 
den Anforderungen der Gegenwart, auch solche Schulanstalten zu gründen, „welche 
einerseits den Schülern eine höhere Bildung zu geben versuchen, als dies in der 
mehrklassigen Volksschule geschieht, andererseits aber auch die Bedürfnisse des 
gewerblichen Lebens und des sogenannten Mittelstandes in größerem Umfang 
berücksichtigen, als dies in den höheren Lehranstalten regelmäßig geschehen kann." 
Diejenigen Schulen, welche die Lücke zwischen Volksschulen und höheren Schulen 
auszufüllen bestimmt sind, haben den Namen „Mittelschulen" erhalten. Bisher 
hat man der Gestaltung dieser Mittelschulen noch viele Freiheit gelassen, hat sie 
als selbständige Anstalten organisiert, hat sie an Volksschulen angeschlossen, so daß 
sie sich nur als getrennte Oberklassen ablösen, endlich hat man auch die oberen 
Klassen sechs- bis achtklassiger Volksschulen nach dem Lehrplane der Mittelschulen 
arbeiten lassen. 
Schon von verschiedenen Seiten ist die Mittelschulfrage als eine „brennende 
Frage der Gegenwart" beleuchtet und nach einer einheitlichen Organisation gesucht 
worden. Da nun die noch offene Mittelschulfrage nicht allein auf dem Gebiete 
der reinen Pädagogik, sondern auch in socialer Beziehung von hoher Bedeutung 
ist, so muß es von Interesse sein, den Ursachen nachzuforschen, welche die Er 
richtung von Mittelschulen bewirken, und die Gesichtspunkte zu beleuchten, nach 
denen diese Anstalten am zweckmäßigsten eingerichtet werden. 
Jeder Volksschullehrer weiß, daß sich seine Schüler in zwei Hauptgruppen 
sondern. Die eine Schar wird gebildet von den beanlagten, fleißigen und 
gesunden Schülern, welche die Schule regelmäßig besuchen und deren Eltern so 
gestellt und so einsichtsvoll sind, daß die zur Lösung der Hausaufgaben nötige 
häusliche Freizeit und elterliche Kontrolle vorhanden ist. Gegenüber steht die 
Zahl der schwach begabten, trägen und kränklichen Kinder, die unregelmäßig zur 
Schule kommen und für die zu erledigenden häuslichen Arbeiten weder Freizeit 
noch Aufsicht finden. Allerdings muß zugegeben werden, daß hier wie dort nicht 
1*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.