Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 27.1883 (27)

480 H Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographieen rc. 
hat diese fleißige Arbeit leider nicht so viel für die gute Sache gewirkt, wie sie 
vermöge ihrer Gediegenheit gekonnt hätte. 
Noch eins lassen Sie mich erwähnen. Die Volksschule ist bekanntlich sehr spät 
aus die Welt gekommen. Sind doch nicht mehr als sechzig Jahre verflossen, daß 
für unsere Gegend (Niederrhein) das erste ordentliche ev. Lehrerseminar (Moers) 
gegründet wurde. Aus dieser verspäteten Sorge für das Volksschulwesen erklärt 
es sich auch, daß dasselbe noch mit vielen äußeren Gebrechen und Hemmnissen 
zu kämpfen hat, und daß diejenigen, welche für seine Hebung wirken wollen, in 
der unbequemen Lage sind wie jene, die zu Nehemias Zeit die Mauern Jerusa 
lems bauten — von denen es heißt: „Mit der einen Hand thaten sie die Arbeit 
und mit der andern führten sie die Waffen". Nun ist es freilich bequemer, 
dem Kampfe zuzuschauen und hinterher die Früchte des Sieges einzusammeln, als 
selber mit in Reih und Glied zu treten, wie es ja auch angenehmer ist, den 
Wein zu trinken, als ihn im Weinberg zu erarbeiten. Unser Herr Jubilar hat 
jedoch auf seinem Posten, nicht nach Bequemlichkeit und Annehmlichkeit gefragt, 
sondern hat da, wo es galt, für das Wohl und die Gerechtsame der Schule die 
Waffen zu führen, tapfer seinen Mann gestanden. Doch davon wollen wir an 
diesem Friedensfeste nicht weiter reden; aber die Kollegenschaft nah und fern 
wird auch dieser treuen Schuldienste stets dankbar eingedenk bleiben. 
Geehrte Festgenossen! In dieser vielseitigen Weise hat Herr Schumacher für 
die innere und äußere Hebung der Volksschule ein Vierteljahrhundert und darüber 
gearbeitet. Möge Gott der Herr ihm sein unverdrossenes Bemühen reichlich lohnen, 
ihn noch lange im amtlichen und freien Schuldienste mit der bisherigen Rüstigkeit 
im Segen fortwirken lassen, und ihm in der Anerkennung und Liebe der Schul 
gemeinde und in seinem und der Seinigen Wohlergehen ein freundliches Lebens 
abendrot bescheeren. 
Geehrte Festgenosfen! Sie haben die bewährte Wirksamkeit Ihres Herrn 
Jubilars im engeren Kreise — seine Meisterschaft in der Schule, sein treues 
Walten im eigenen Hause, seine entschieden evang. - christliche Gesinnung, seinen 
standhaften Patriotismus und wie sich sonst seine Dienstwilligkeit den Nachbarn 
oder Kollegen bethätigt hat, bereits mit einem herzlich-kräftigen Hoch geehrt. Im 
Namen des weitern Kollegenkreises bitte ich Sie, noch einmal das Glas zu 
ergreifen. Es gelte jetzt dem Herrn Jubilar nach der Seite, wie er auch iu 
diesem weitern Kreise geachtet und geschätzt wird: seinem unverdrossenen Streben 
für die eigene Fortbildung, für die Förderung der Schulkunst und für 
eine gesunde und gesicherte äußere Stellung der Schule. Der Herr Jubilar 
— er lebe hoch!" — — Gr-
	        

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