Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

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Eine Mitteilung 
zu Nutz uud Frommen pädagogischer Schriftsteller und solcher, die es werden wollen. 
Von Chr. Wächter (Lehrer an der städt. Hähern Töchterschule in Altona). 
In den Kehrschen pädagogischen Blättern (1883. Nr. 6) recensierte Herr 
Seminarlehrer Sprockhofs-Berlin nicht weniger als 106 naturwissenschaftliche Werke, 
am eingehendsten und lobendsten seine eigene Anthropologie, sehr wegwerfend und 
unbegründet meine Zoologie. — Ich hätte hierauf nicht reagiert, wenn nicht Hr. 
Schulrat Kehr in demselben Hefte sich in der Dörpfeld-Boodsteinschen Angelegenheit 
bitter beschwerte, daß Entgegnungen auf Recensionen, die sein Blatt gebracht habe, 
in anderen Organen veröffentlicht würden, da er sich wiederholt bereit erklärt 
habe, „die den Meinungen der Recensenten entgegenstehenden Begründungen gern 
aufzunehmen und bereitwillig zu veröffentlichen," — wenn Hr. Dr. Kehr 
nicht die Sprockhoffschen Recensionen mit den Worten eingeleitet hätte: „Sind 
unter den übrigen mir gänzlich unbekannten Werken solche, von denen ihre Ber 
fasser glauben, falsch beurteilt zu sein, so stehe ich zur Aufnahme einer etwaigen 
Rechtfertigung mit Vergnügen zu Diensten, und Herr Sprockhoff mag dann ver 
antworten, was er geschrieben hat." 
Hierdurch fühlte ich mich bewogen, Herrn Kehr einige Bemerkungen zur 
Sprockhoffschen Kritik zu übersenden, und Hr. Dr. Kehr antwortete mir am 16. 
Dez. v. I., daß er den Abdruck im zweiten Hefte gern und selbstverständlich 
veranlassen werde. 
Am 19. Jan. d. I. erhielt ich von Herrn Sprockhoff einen vier Seiten 
langen Brief, in welchem er mir die Anzeige machte, daß er seine Antwort, die 
gleichzeitig mit meinen „Bemerkungen" erscheinen werde, schon fertig habe, und 
mich bittet, Herrn Kehr zu ersuchen, von dem Abdruck meiner Bemerkungen ab 
zusehen, widrigenfalls er nachweisen wolle, „daß Ihr Buch gar nichts taugt, 
daß die günstigen Urteile von anderer Seite oberflächlich, gewissenlos und 
falsch sind." Er habe mein Buch noch milde beurteilt und zwar nur aus 
Rücksicht auf die Verlagsanstalt. 
Ich wies dieses Ansinnen zurück. — Am 29. Januar schrieb mir Herr 
Kehr, daß Sprockhoffs Antwort so unangenehm für mich sei, daß er es für 
seine Pflicht halte, doch erst noch einmal bei mir anzufragen, ob ich den 
Abdruck noch wünsche. — Da ich kein Verständnis dafür besitze, welche Rück 
sichten Recensent und Redakteur gegen die Verlagsanstalt und den Verfasser eines 
Buches zu nehmen haben, so bestand ich nach wie vor auf den Abdruck meiner 
Bemerkungen und erwartete mit Spannung das Erscheinen des zweiten Heftes. — 
Das Heft erschien endlich vor ca. 14 Tagen, aber ohne meine Entgegnung. 
Jetzt ward sie vom Verleger abgelehnt. Und weshalb? Weil ihr Inhalt 
beanstandet werden mußte? Nein — weil die Antwort des Herrn Sprock 
hofs ca. 34 Seiten umfasse und nur öffentlichen Anstoß und Ärgernis 
verursachen werde. — Von dem Redakteur der pädag. Blätter habe ich keine 
Zeile wieder erhalten. — 
Der Recensent kann also schreiben, was er will; er hat keine Entgegnung 
zu fürchten, wenn er nur eine Antwort bereit hat, die öffentlichen Anstoß und 
Ärgernis erregen wird. — Und welchen Wert hat nun noch die Aufforderung 
des Redakteurs, eine Entgegnung in seinem Organ zu veröffentlichen?
	        

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