Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

42 II- Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc. 
Hiermit war — abgesehen von einigen kleineren Bemerkungen, in welchen 
u. a. darauf hingewiesen wurde, daß die Lehrer sich gegen eine richtig organisierte 
Aufsicht ebensowenig sträuben dürften, wie die Geistlichen, welche unter ß 14 der 
Preuß. Kirchen-Ordnung stehen, sowie ferner darauf, wie übel es sei, daß jetzt auch 
der Ultramontanismus das Familien-Princip betone — die Debatte zu Ende. 
Soll ich von dem Eindrucke sprechen, den die Verhandlungen auf die ziemlich 
zahlreich anwesenden westfälischen Kollegen gemacht hat, so war uns zunächst er 
freulich, daß es vermieden wurde, die Schule lediglich für den Gemeinderat in 
Anspruch zu nehmen, wie es faktisch von liberalen Gemeinderäten vielfach geschieht. 
Von den beiden vorliegenden Gutachten entsprach dasjenige des erfahrenen und 
tüchtigen Kollegen Hufschmidt den Verhältnissen am meisten. Wir müssen in 
Westfalen, wo die Hauptlehrer fehlen, zu oft sehen, daß in den einklassigen Schulen 
mehr geleistet wird als in den mehrklassigen, weil noch so schön abgefaßte Lehr 
pläne und Pensen-Verteilungen doch nicht immer so beachtet werden, als eö bei 
einer Schule, wo nicht jedermann thun kann, was ihm recht deucht, möglich ist. 
Die Motivierung der Duisburger Ideen oder sagen wir lieber der Gothaischen 
(Kehrschen) Schulorganisations-Jdeen erschien uns ebenso wenig genügend — um 
nicht mehr zu sagen — wie dem Kollegen Hufschmidt und den übrigen Herren, 
welche in der Debatte das Wort nahmen. Man muß eben nicht mutwillig di; 
Augen vor den wirklichen Verhältnissen verschließen wollen. Überdies dürfte es 
doch wohl endlich an der Zeit sein, daß der Lehrerstand auch seine eigenen, 
seine Standesinteressen richtig verstehen lerne. 
Erklärung wider Herrn Dr. Boodstein, Stadtschulinspektor 
in Elberfeld. 
Das neueste Heft der „Pädagog. Studien" von Dr. Rein bringt nach 
stehende Erklärung: Es ist nur zu bekannt, wie das landläufige Recensententum 
aus dem Gebiet der Pädagogik sein Unwesen treibt, indem es gewöhnliche Lohn 
schreiber zu Meistern der Methodik stempelt, Dutzend-Machwerke in den Himmel 
erhebt und der berüchtigten Leitfäden-Fabrikation somit die wirksamsten Dienste leistet. 
Diese lobhudelnde Richtung unter dem landläufigen Recensententum ist jedoch 
offenbar noch lange nicht die schlimmste. Es giebt nämlich noch eine andere, welche 
nicht nur nicht davor zurückschreckt, in zwei einander folgenden Nummern derselben 
Zeitschrift ca. 90 Werke pädagogischen Inhalts, deren Seiten nur zu zählen eine 
nicht unbedeutende Arbeit wäre, zu besprechen, sondern auch ganz offenbare Entstellungen 
mit einlaufen zu lassen, ohne sich im geringsten im Gewissen bedrückt zn fühlen. 
Statt Führer auf dem Gebiet der pädagogischen Litteratur zu sein, werden 
sie Verführer. 
Geschieht dies in Winkelblättern, so wird niemand darüber besorgt sein, da 
ihr Leserkreis und ihr Einfluß gering ist. Macht sich aber in einer angesehenen 
deutschen Lehrerzeitung ein Recensent solcher Entstellungen schuldig, und beziehen 
sich die Entstellungen auf die Ansichten eines Mannes, den hochzuschätzen die deutsche 
Lehrerwelt alle Ursache hat, so fühlen wir uns gedrungen, auch an unserem Teil 
offen für die Wahrheit einzutreten. 
Eine derartige Entstellung der Wahrheit liegt nun vor in der Recension des 
Herrn Stadtschulinspektors Dr. Boodstein in Elberfeld über Dörpfelds 
Schrift: „Ein Beitrag zur Leidensgeschichte der Volksschule", Barmen bei Wiemann,
	        

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