Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

Erklärung wider Herrn Dr. Boodstcin. 
43 
2. Aust. 1882. Die betr. Recension ist veröffentlicht in Kehrs „Pädagog. 
Blättern", Nr. 2, 1883, S. 179—181. 
Gegen diese kritische Besprechung richtet sich unsere Erklärung, indem 
wir an vier Beispielen nachweisen, daß Herr Dr. Bo ödste in in Elberfeld 
über den Inhalt des Dörpfeldschen Buches nicht der Wahrheit gemäß be 
richtet hat. 
1. Seit länger als 25 Jahren ist Herr Rektor Dörpfeld in größeren 
Schriften wie in Journalartikeln dafür eingetreten, daß in der Schulverwaltung 
auch die korporativen Schulinteressenten (Schulgemeinde, bürgerliche Gemeinde u. 
s. w.) mehr als bisher zur Mitwirkung gelangen müßten. Jeder, der sich nur 
einigermaßen mit der einschlägigen Litteratur bekannt gemacht hat, weiß, daß dieser 
Gedanke gerade einen der Hauptpunkte bildet, wodurch sich Dörpfelds Theorie der 
Schulverfassung von anderen Ansichten unterscheidet. Auch in seiner „Leidens 
geschichte der Volksschule", welche Herr Dr. Boodstein recensiert, wird dieser Ge 
danke nicht nur wieder lebhaft verteidigt, sondern es wird außerdem gezeigt, wie 
er praktisch ausgeführt werden kann. 
lind nun lese man, was Herr Dr. Boodstein darüber berichtet. S. 180 
heißt es wörtlich: 
„Kann ich nun vielleicht auch zugeben, daß Dörpfeld in seinen Aus 
führungen die Wünsche der großen Mehrzahl der Volksschullehrer registriert 
und ein in seiner Art konsequent durchgeführtes Gebäude konstruiert, so 
kann ich doch nicht der Meinung sein, daß damit der Volksschule und 
ihren Lehrern besonderes Heil widerführe, da das Geforderte zu einseitig 
die Interessen des Lehrerstandes berücksichtigt, die der anderen Inter 
essenten aber außer acht läßt, oder nur so nebenher mit 
einem Brocken bedenkt, den Schwerpunkt immer darauf legend: „Die 
ganze Volksschule für die Lehrer." 
Dörpfelds Ansicht ist hier in ihr diametrales Gegenteil verkehrt. Ihm wird 
diejenige Ansicht untergeschoben, welche er als „Schulpfaffentum" bezeichnet und die 
gerade er am ersten, am entschiedensten und am fleißigsten fort 
während bekämpft hat. 
2. Dörpfeld wünscht, daß im Lokalschulvorstand, den er sich aus je 
einem Vertreter der drei interessierten Korporationen und aus dem Pfarrer be 
stehend denkt, als fünftes Glied auch der Lehrer (resp. Hauptleyrer) Sitz und 
Stimme erhalte. 
In ähnlicher Weise wünscht er eine Vertretung des Schulamts in den hö 
heren repräsentativen Schulverwaltungskollegien (z. B. in der Kreis-Schuldepu 
tation), wo solche bestehen oder später eingerichtet werden. 
Herr Dr. Boodstein berichtet dagegen in dem oben angeführten Citat: 
Dörpfeld berücksichtigt zu einseitig die Interessen des Lehrerstandes — 
— den Schwerpunkt immer darauf legend: „Die ganze Volksschule für 
die Lehrer." 
Der letzte Satz wird dabei in Anführungszeichen eingeschlossen, so daß 
die Leser glauben müssen, dies sei ein wörtliches Citat aus dem Dörpfeldschen Buche! 
Man halte dagegen den Satz Dörpfelds (S. 23): „Der Lehrer ist der 
Diener, nicht der Herr der Schule; Herren der Schule sind diejenigen, welche sie 
unterhalten." (Man vergleiche hiermit S. 134, 136 und 137.) — 
3. Dörpfeld wünscht hinsichtlich der technischen Schulaufsicht: Die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.