Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographieen rc. 
beiden untersten Aufsichtsposten (Rektoramt und Kreisschulinspektorat) möchten 
als Avancementsposten des Lehrerstandes gelten, soweit dieser die befähigten Kräfte 
stellen könne. 
Was macht Herr Dr. Boodstein hieraus? S. 181 heißt es wörtlich: 
„Mit dem eben besprochenen Ansprüche (die ganze Schule rc.) hängen 
eng zusammen die Ansprüche aus die Übertragung aller möglichen 
Schul-Aufsichtsämter an Leute, die aus dem Bolksschullehrerstande hervor 
gegangen seien, und zwar für die Stellen bis zu den obersten 
Instanzen." 
4. Herr Dr. Boodstein schreibt S. 181: „Soviel steht für mich fest, daß 
das Dörpfeldsche Buch . . . sowohl durch die Art seiner Beweisführung, wie 
durch den Inhalt von vielen seiner Vorschläge, durch die nach allen Seiten — 
nur nicht nach der der Lehrer — ausgeteilten Hiebe und durch die ten 
denziöse Beleuchtung einzelner Vorkommnisse, durch die Ausschließlichkeit und Maß 
losigkeit seiner Ansprüche und durch die Schürung der Unzufriedenheit in den 
Lehrerkreisen sehr bittere Früchte für die Volksschule und deren Lehrerstand zu 
zeitigen dürfte geeignet sein." 
Steift man sich auf den Wortlaut „Hiebe", so kann man solche im einzelnen 
in dem Dörpfeldschen Buche allerdings nicht nachweisen, dagegen ist es vielleicht 
kaum einmal dem Lehrerstand so eindringlich nahe gelegt worden, daß derselbe 
seine Hebung nicht der politischen Pädagogik, sondern allein seiner inneren 
Reinigung, seinem Ringen und Arbeiten nach idealen Zielen verdanken 
werde, wie dies von Dörpfeld geschieht. S. 268 schreibt er: „Die guten oder 
schlimmen Aussichten für die Reform der Schulverfassung hängen zunächst, und 
nach meiner festen Überzeugung auch zumeist, vom Lehrerstande selbst ab. 
In dem Maße, wie sein pädagogisches Denken von der zeitherigen Fremd 
herrschaft der Parteipolnik sich emanzipiert, und zugleich in seiner Mitte 
die Selbstzucht zu einer ehrenhaften Lebens- und Berufsführung 
wirksam wird — genau in demselben Maße darf er hinsichtlich seiner unerledigten 
Amts- und Standesanliegen guten Mutes sein." 
Soweit in Dörpfelds Vorschlägen Ansprüche des Lehrerstandes zur 
Sprache kommen, sind dieselben so maßvoll und bescheiden, daß sie nicht noch be 
scheidener sein können, wenn dieser Stand nicht gegen sich selbst ungerecht sein will. 
In der Verunstaltung, welche sie durch Herrn Dr. Boodstein erlitten haben, 
erscheinen sie dagegen als Ausgeburten schulpfäsfischer Herrschsucht und maßlosen 
Hochmuts. 
Wir schließen unsere Erklärung mit dem Ausdruck des aufrichtigsten Be 
dauerns über die Unbill, die einem so ausgezeichneten Manne, wie Dörpfeld, an 
gethan worden ist.*) 
Eisenach, den 31. Oktober 1883. 
Conrad. Lehrer an der Sekundarschule. Dl'. Bliedner, Seminarlehrer. 
Dr. Lotz, Lehrer an der Sekundarschule. Di'. Rein, Seminardirektor. 
Scheller, Seminarlehrer. 
*) Für diejenigen, welche sich hierüber näher informieren wollen, verweisen wir auf das 
jüngst erschienene Schriftchen: „Ein neuer Beitrag zur Leidensgeschichte der Volksschule. 
I. Sechs kritische Stimmen über den ersten Beitrag zur Leidensgeschichte u. s. w. II. 
Herr Stadtschulinspektor Dr. Boodstein und die Wünsche des Lehrerstandes." Barmen, 
Wiemann 1883.
	        

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