Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

Anfang December 1884. 
I. Abteilung. Abhandlungen. 
Über den physikalischen Lehrstoff in der Volksschule. 
Vortrag in der Jahresversammlung des rheinisch-westf. evang. Lehrervereins zu 
Mülheim a. d. Ruhr am 4. Juni 1884. 
Von A. Hollenberg, 1. Seminarlehrer in Rheydt. 
Der Aufforderung des Vorstandes unseres Vereins, für die Jahresversamm 
lung ein Referat über den physikalischen Unterricht in der Volksschule zu liefern, 
bin ich bereitwillig gefolgt. Eine kurze Überlegung zeigt, daß man heutzutage 
über manche Dinge hinweggehen kann, die früher in einer solchen Arbeit einen 
großen Raum einnehinen mußten. Denn da ein solcher Unterricht jetzt vorgeschrie 
ben ist, braucht man ihm sein Recht nicht erst zu erobern und kann sich von der 
Verpflichtung befreit erachten, über Wichtigkeit und Notwendigkeit desselben das 
Passende zu sagen. Auch über dasjenige, was speciell der Methodik zufällt, die 
einzelnen Lehrstadien, die zweckmäßige Gruppierung der Lehrstufen, die Betonung 
der Rücksicht auf formale Bildung u. dgl. denke ich hinwegzugehen. Ebenso wird 
die so wichtige Seite der Verknüpfung der Lehrfächer wenig berührt werden 
können, da die Naturlehre wegen ihres abstrakten Wesens in vieler Beziehung bei 
all ihrem Reichtum doch weniger abhängig von den übrigen Unterrichtsfächern ist 
als manche andere und sie den übrigen Zweigen der Naturkunde ihre Dienste 
vielleicht am sichersten und greifbarsten bietet, je mehr sie sich in ihrem Gange 
selbständig erhält. 
Für den physikalischen Unterricht erhebt sich nunmehr, nachdem mit seiner 
Einführung wenigstens für die Oberstufe Ernst gemacht worden ist, besonders die 
Frage nach dem Lehrstoff. Es hatte einmal ein sehr schreiblustiger Mann zu seinem 
physikalischen Büchlein die Notiz gemacht: „Wo die Verhältnisse nicht gestatten, den 
physikalischen Unterricht in dieser Ausdehnung zu erteilen, da wird sich leicht eine 
geeignete Auswahl treffen lassen." Hierzu machte nun ein Recensent (Ev. Schul 
blatt 1877 S. 333) folgende Bemerkung: „Die rechte Auswahl gehört zu dem 
Allerschwersten, worin sich die Meisterschaft des Pädagogen am offenkundigsten zeigt. 
An Hülfsmitteln mit. pädagogischem Takte abgefaßt, in denen der Stoff qualitativ 
und quantitativ ausgewählt und beschränkt ist, daran mangelt es noch sehr." 
Langhoff, Direktor der Gewerbeschule zu Potsdam, meint in der neuesten Ausl. 
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