Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
des Diesterwegschen Wegweisers: Ans dem umfangreichen (physikalischen und 
chemischen) Gebiete die richtige Auswahl des Wichtigsten zu treffen, das für jede 
Stufe des Alters und geistiger Borbildung Geeignete herauszufinden, das ist eine 
große Hauptsache. Wie richtig diese Bemerkungen sich ' für jedes Unterrichtsfach 
erzeigen, das hat auch schon derjenige reichlich erleben können, der nur geringe 
Erfahrung im Unterrichten hat. Sie mögen die Veranlassung bilden, für heute 
zunächst den physikalischen Lehrstoff zu untersuchen und aus ihm dasjenige heraus 
zuheben, was als Minimum für die Volksschule unter einfachen Verhältnissen sich 
eignet und ferner diejenigen Stücke zu bezeichnen, welche für günstigere Umstände 
aufzuheben sind.*) Eine solche Untersuchung und Aufzählung kaun ihrer Natur 
nach eine gewisse Trockenheit nicht vermeiden. Möge das Interesse für den Unter 
richt und die Schularbeit mit Geduld unsere Wanderung, die dem gewöhnlichen 
Gange der physikalischen Bücher gerade entgegengesetzt vor sich gehen soll, begleiten! 
(In einem spätern Artikel hoffe ich das Lehrverfahren und den Lehrgang, so wie 
in einem dritten eine Pensenverteilung für ein- und mehrklassige Schulen näher 
darstellen zu können). 
Wichtig ist zunächst für den Lehrer, daß er sich den physikalischen Lehrstoff 
in zwei ganz verschieden geartete Gebiete zerlegt und sich des Unterschiedes der- 
-selben klar bewußt ist. Das eine Gebiet kennzeichnet sich dadurch, daß auf dem 
selben die Schüler einen mehr oder minder großen Reichtum von Lebens 
erfahrung dem Unterricht entgegenbringen, während sie auf dem andern fast 
gar nichts haben, sondern alles vom Unterricht erhalten müssen. Auch dadurch 
unterscheidet sich das letztere Gebiet von dem erstern, wenigstens soweit die Volks 
schule dasselbe in Betracht ziehen kann, daß es sich nur darum handelt, daß und 
wie eine Kraft wirkt, vielleicht allenfalls ob sie stärker oder schwächer wirkt, 
aber nicht genauer darum, wie viel Mal so stark sie in dem einen Falle wirkt 
als in dem andern, mit andern Worten, daß dies Gebiet eine mathematische 
Behandlung nicht zuläßt, während das erste Gebiet zu einer solchen Behandlung 
vielfach Gelegenheit und Veranlassung bietet. Zu diesem in Bezug auf den 
Standpunkt der Volksschüler ärmer« Gebiete rechnen wir Magnetismus und Elek 
tricität. Diese Stücke würden daher durchaus nicht in die Schule gehören, wenn 
nicht Kompaß, Gewitter und Telegraph dazu zwängen, die ihnen zu Grunde lie 
genden einfachsten Erscheinungen und Versuche vorzuführen. Aber es ist selbst 
verständlich, daß zu diesem Zweck auch nur das unumgänglich Notwendige heran 
gezogen wird und daß Rücksichten auf die physikalische Wissenschaft zurücktreten 
müffen. Fragen wir nun nach diesem Notwendigen, so verlangt der Kompaß die 
Beachtung der Richtungskraft des Magnets sowie die Anziehung von Eisen; 
letzteres Stück ist auch zum Verständnis des Telegraphen ^notwendig. Daß der 
*) Ich darf wohl verweisen auf die von mir herausgegebenen „Stücke aus der Physik. 
Ein Hülfsbuch für Lehrer an Volksschulen." Mörs bei Spaarmann 1884. 1 M.
	        

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