Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

Mitte Februar M4. 
I. Abteilung. Abhandlungen. 
Aus meiner Rechenmappe. 
Ein Vortrag von Lehrer Ruf in Nördlingen. 
I. Was fehlt uns noch? 
Ich habe mir die Aufgabe gestellt, einen Blick auf die Ausgestaltung der 
von der psychologischen Wissenschaft gegebenen didaktischen Grundprincipien zu werfen, 
wie sich solche in der Litteratur des Recheuunterrichts manifestiert. Die alte 
Schule hat vielfältig den Gaul beim Schwanz aufgezäumt, erst Regeln gegeben 
und dann in Aufgaben angewendet; Pestalozzi hat den natürlichen Weg von der 
Anschauung (I. Lernstadium) zur begrifflichen Aneignung (II. Lernstadium ein 
geschlagen und hoffte als reife Frucht dieses Verfahrens die Erfassung und selb 
ständige Anwendung auf die vorkommenden Rechenfälle des Lebens (III. Lernstadium). 
Ihm nach hat die Pestalozzische Schule in einer reichen Litteratur den Rechenunterricht 
in der Volksschule ausgestaltet; freilich ist das wirklich Erreichte oft weit hinter den 
Aufstellungen der Herrn Methodiker zurück geblieben, aber wenn wir die Ein 
leitung zu dem vor fast 50 Jahren zum erstenmal erschienenen berühmten Rechen 
buch Diesterwegs lesen, müssen wir sagen: besseres kann man heutzutage weder 
über Methode noch Ziel des Rechenunterrichts lesen oder schreiben. Arbeitete 
Diesterweg-Heuser mehr im großen Stil für die Bürgerschule und das Seminar, so 
waren die Werke von Harnisch, Scholz, Hentschel und bei uns speciell Wagner 
(Altdorf) auch dem Alltagsbedürfnis der Volks- oder Dorfschule angepaßt. „Denk 
rechnen" hieß dazumal, was auf der Höhe der Zeit stehen wollte; für die schrift 
liche Ausführung eine bestimmte Form bis zur möglichsten Sicherheit eingeprägt, 
fürs mündliche möglichst viele, möglichst wortreich gegebene Lösungsweisen. Die 
üblichsten Anschauungsmittel waren die sog. russische Rechenmaschine (Kugelständer) 
und die Pestalozzische Einheitentabelle. Etwa 10 Jahre nach Diesterweg gab uns 
Stern (Seminardirektor in Karsruhe) im Schluß- oder Zweisatz ein Mittel, das 
schriftliche Rechnen auch in der Form dem mündlichen möglichst anzupassen. Zu 
gleich gab er uns in seinen Zahlenbildern (weiße Kreise in schwarzen Quadraten) 
und seinen verbesserten Einheits- und Multiplikationstafeln sehr einfache und wirk 
same Anschauungsmittel, die wert wären, heute noch beachtet zu werden, besonders 
zur Befestigung der Multiplikation und Division innerhalb 100. 
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