Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 28.1884 (28)

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Korrespondenzen. 
Aus Ostpreußen. (Die 6. ostpreußische Provinz.-Lehrer-Ver- 
sammluug in Pr. Holland). Diese Bersammlung, welche am 26. und 27. 
Juli stattfand, war von ca. 200 Lehrern besucht, im Verhältnis zu früher — 
eine kleine Zahl. Wie der Vorsitzende hervorhob, zählte der ostpreußische Pro- 
vinzial-Lehrerverein früher über 2000 Mitglieder, jetzt nur 1200. Die Vereine 
Heydekrug, Rössel, Heilsberg haben sich aufgelöst. Von 34 Kreisvereinen haben 
nur 18 eineu Bericht au den Vorstand geschickt. 
Den ersten Vortrag hielt Organist Klein-Schöneberg „Über häusliche 
Aufgaben." 
1) Die häuslichen Aufgaben sollen den Eltern daheim gestatten und sie an 
spornen, in das Leben und die Thätigkeit der Schule hineinzuschauen. 2) In 
den häuslichen Aufgaben soll den Eltern nicht ein hier und dort nach Willkür 
abgerissenes Stück, sondern soweit möglich, das gesamte Schulleben gezeigt wer 
den. 3) Sie sollen der Schularbeit dienen und sie unterstützen, niemals sie er 
setzen; deshalb nur Übungs- und Wiederholungsaufgaben. 4) und 5) Daher 
müssen die häuslichen Aufgaben vorher in der Schule zur Klarheit und Erkennt 
nis gebracht werden, und da sie der Schüler ohne jede Hülfe, selbständig machen 
soll, müssen sie im Bereiche des Stoffes bleiben, den der Schüler mit Leichtigkeit 
und vollständig beherrscht. 6) Sie sollen kurz fein (um die freie Zeit nicht zu 
verkürzen). 7) Der Lehrer überzeuge sich gewissenhaft, ob und wie jede Aus 
gabe gemacht ist. 8) Die ganze Klasse oder Abteilung (also auch die schwächeren 
Schüler) hat an derselben Aufgabe teilzunehmen; deshalb soll sie die Leistungs 
fähigkeit der schwächeren Schüler in der Regel nicht übersteigen. 9) Damit das 
Haus willig und bereit bleibe, der Schule ein offenes Ohr und Auge zu leihen, 
soll jeder Schultag häusliche Arbeit fordern. 
Bildat-Königsberg sprach über „Vereinsdisciplin". Was bietet das 
Vereinsleben? — Was fordert dasselbe? — Es bietet gegenseitige Belehrung, 
Anregung zur Fortbildung, moralischen Halt, Freudigkeit im Beruf, anregende 
Geselligkeit und materiellen Vorteil. — Der Pestalozzi-Verein hat z. B. über 
100 000 M. an Unterstützungen während feines Bestehens gezahlt. — Das 
Vereinsleben fordert unbedingte Hingabe, nämlich: regelmäßigen und pünktlichen 
Besuch, fleißiges Werben, Unterordnung unter das Vereinsgesetz, und daß jeder 
mit seinem Kapital wuchere und keine Kritik scheue, aber auch Nachsicht übe. „Die 
Monopolisierung des Wortes bei einzelnen ist nicht statthaft, führt zur Über 
hebung und hat oft nur eine Vergeudung der Zeit im Gefolge." 
Den dritten Vortrag (am zweiten Tage) hielt Klein-Königsberg über das 
Thema: „Welche Hauptforderungen haben Schule und Haus bei der 
Erziehung besonders zu berücksichtigen, um die Zöglinge für das 
bürgerliche Leben genügend auszurüsten?" Beide sollen die religiöse 
Bildung fördern, ebenso den Sinn für alles Edle. Das Haus vermeide alle 
lärmenden Scenen und beunruhigenden Auftritte im Familienleben; die Schule 
vermeide harte Züchtigungen des Zöglings in Gegenwart der Mitschüler rc. 
Schule und Haus haben die Achtung vor jeglichem Gesetze zu fördern. Dazu 
mahnen die öffentlichen Ausschreitungen gegen öffentliches und privates Eigentum, 
die Rücksichtslosigkeit im täglichen Verkehr gegen Gleichgestellte und Übergeordnete, 
die offene Auflehnung gegen Diener des Gesetzes. Haus und Schule haben Auf
	        

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