23
August 1886.
I. Abteilung. Abhandlungen.
Eine pädagogische Zeichenlehre.
(Eine Buchrecensioil und eine Forderung für den Zeichenunterricht.)
Von I. Trüper.
Motto: „Es liegt das dringende Bedürfnis vor,
ein kurzes Handbuch des Zeichenunterrichts in
mitten einer Menge der widersprechendsten Ver
suche zu geben" und „ein Zeichcnwerk zu schaffen,
das sowohl den stufenmäßigen Fortschritt als
auch zugleich den engsten Anschluß an die be
handelten Sachgebiete gewährt." (vr. Rein im
Vorwort zu Ottos „Pädagogische Zeichenlehre"
S. V. und im „fünften Schuljahr" S. 149,
Anmerk.)
Solange die Methodik der verschiedenen Zweige des Volksschulunterrichts
nur von den Männern der Fachwissenschaften bestimmt und der Volksschule
oktroyiert wurde, oder solange die Volksschullehrer sich nur bei jenen Männern
Rats erholten und ihren Unterricht zuschnitten nach dem Muster „früherer"
Schulen, so lange hat die Methodik dieser einzelnen Fächer im argen gelegen.
Erst seit der Zeit, als Pestalozzi die elementare Methode für alle Unterrichts-'
anstalten, die den Geist erst mündig machen wollen, von der wissenschaftlichen
Methode zu emancipieren versuchte; erst als Herbart dem Schulunterrichte eine
streng wissenschaftlich-psychologische Grundlage zu geben versuchte, begannen
die Fortschritte der Methodik.
Aber nicht überall und nicht in allen Fächern hat sich diese Emancipation
, gleichmäßig vollzogen. Die Anschauung bildet noch nicht überall und in allen
Stücken das absolute Fundament aller Erkenntnisse, wie Pestalozzi verlangte; der
Memorier-Materialismus, der mit Hülfe der Katechismen, der kompendienarügen
Leitfäden, der sprachlichen Regelbücher u. s. w., statt den kindlichen Geist zu
nähren und seine Kräfte und Anlagen harmonisch zu entfalten, mit Vorliebe
„Leichname beisetzt in den Grüften des Gedächtnisses" (Herbart) ist auch heute
noch nicht völlig ausgestorben.
Auch der Zeichenunterricht harrt im allgemeinen noch der Emancipation von
der akademischen Lehrmethode und einer Auswahl des Stoffes nach päda
gogisch-psychologischen Grundsätzen. Es herrscht darum auf diesem
Gebiete noch immer die seit Pestalozzi hergebrachte Zerfahrenheit, und die Gegen-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.