Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 30.1886 (30)

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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
von der Aufsichtsbehörde zur Beratung und Beschließung überwiesen werden, 
mitzuwirken haben. Dagegen ruht die eigentliche Vertretung der Schulsocietät in 
den Händen des Schulvorstandes. Wenn, wie bei der Schulgemeinde N., das 
Schuldeficit auf den Kommunaletat übernommen ist, so ist damit die Beschlußfassung 
über regelmäßig wiederkehrende Etatsangelegenheiten, welche sonst den Schnlrepräsen- 
lanten zustehen würde, auch auf die Kommunalbehörden übergegangen. Alle an 
deren, bisher den Schulrepräsentanten zustehenden Befugnisse, insbesondere die Be 
schlußfassung über Veräußerung und Erwerbung von Grundstücken, Neubauten 
von Schulgebäuden, Errichtung neuer Schulklassen u. s. w., sind denselben ver 
blieben. Was die Sitzungen der Repräsentanten anlangt, so haben dieselben getrennt 
von denen der Schulvorstände stattzufinden und nur in besonderen Fällen können 
beide Körperschaften zu gemeinschaftlichen Beratungen eingeladen werden. Doch 
kann der praeses in internis den Sitzungen der Repräsentanten jederzeit bei 
wohnen." 
Damit dürfte wohl zur Genüge klar sein, wie weit wir nicht nur in West 
falen, sondern auch im ganzen Staate von einer der Idee der Schulgemeinde 
entsprechenden naturgemäßen Schulrepräsentation noch entfernt sind. 
Irhcydt, den 22. Juli 1886. Mit dem heutigen Tage wurde die Ent 
lassungsprüfung am hiesigen Seminar beendigt. Es hatten sich zu derselben außer 
23 Seminaristen 5 auswärtige Bewerber eingefunden. Von den letzteren genügten 
2 den Anforderungen nicht. Drei der Seminaristen wurden dem Rgbzk. Aachen 
überwiesen, so daß die übrigen 20 für den hiesigen Bezirk verbleiben. Während 
zuweilen in frühern Jahren von seiten der Regierung den Schulamtskandidaten 
eröffnet wurde, daß sie sich der Bewerbung um Stellen enthalten sollten, damit 
man imstande sei, gerade an den dringendsten Stellen dem Lehrermangel ab 
zuhelfen, wurde in diesem Jahre den Abgehenden die Meldung zu irgend einer 
Stelle ganz freigegeben. H. 
IH. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
Vorschule der Pädagogik Herbarts 
von Chr. Ufer. 3. Ausl. Dresden 
Bleyl L Kämmerer. (96 S.) 1,50M. 
Die Ufersche Schrift hat in kurzer 
Zeit drei Auslagen erlebt, und kann man 
daraus mit Recht einen Schluß auf ihren 
Wert ziehen und meinen, das Buch be 
dürfe keiner erneuten Besprechung. Des 
senungeachtet erscheint mir dieselbe 
nicht ganz unnötig. Das bez. Buch hat 
nicht bloß Freunde, sondern auch Gegner, 
letztere besonders auch in den Kreisen der 
Herbartiauer. Es giebt angesehene Päda 
gogen , welche das Büchlein verpönen 
und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, 
weil es der Oberflächlichkeit diene und 
den Encyklopädismus, diesen Erzfeind des 
echten, unmittelbaren Interesses, ver 
breiten helfe. 
Diese Vota sind schwerwiegend und 
keineswegs grundlos, darum auch nicht 
leicht zu nehmen. Es ist wahr, das 
Buch kann diese Wirkung haben. Wenn 
gleich es den Titel „Vorschule" trägt 
und dadurch angezeigt sein soll, daß das 
Studium dieser Schrift im Grunde ge 
nommen propädeutischer Natur ist, daß 
es diejenigen appercipierenden Hilfen schaf 
fen soll, vermittelst deren das Eindrin 
gen in die Herbartschen Werke ermöglicht 
wird, so kann doch dies von Anfängern 
leicht übersehen und vergessen werden, 
und es kann die Meinung entstehen, mit 
der Durcharbeitung des Uferschen Buches
	        

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