Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 32.1888 (32)

386 n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc. 
welche aus dem Schoß der Bevölkerung emporgekommen, mit der großen Mehr 
zahl der Bürgerschaft die vaterstädtischen Geschicke eben zu dieser Wendung führen 
mußten, darüber giebt unser Band eine bündige Auskunft. Zum Teil in dem 
unmittelbaren Bericht, zum Teil in beredten Andeutungen, im ganzen durch den 
Geist, der die Aufzeichnungen eingegeben und geleitet hat. 
Auch hier überwiegt das persönliche Element. Noch mehr als zuvor lehrt 
es die Zustände in dem kölnischen Bürgertum überhaupt erkennen. Das Leben 
der Familie, das hier geschildert wird, ist vollends der Typus des Familienlebens 
in Köln und in den Städten des Reichs, welche unter verwandten Bedingungen 
bestanden. Die Thätigkeit des Verfasters in den öffentlichen Angelegenheiten der 
Stadt gewährt einen tiefen Einblick in diese Angelegenheiten selbst, in das politi 
sche Denken der Bürger, welches über die Zukunft der Stadt entschied." 
Alles, was nicht von allgemeingültiger Bedeutung war, hat der Heraus 
geber gestrichen. 
Als Mann von 56 Jahren benutzt Weinsberg den Fastabend, „um Gesell 
schaft und Trunk zu meiden", dazu, ein getreues Bild von sich selbst zu entwerfen. 
Besonders kennzeichnend ist die Beschreibung seiner geistigen Eigenschaften, die wir 
darum zum Schluß hierher setzen. „Von den inwendigen gebrechn und gnaden. 
Min gebrechen und funden zeich ich mim bitzfatter an; schadt nit zu vermelden 
etwas, dweil nemans ohn fünde lebt. Ich bin moedich, glorios, ehrgirich von 
namen, nit uf der gasten, hab wenich hoverdei in kleidung, tragt nach der lank 
williger memorien nach dem doit und arbeiten stetich, minen fatterlichen stam her- 
lich zu machen, den namen und wapen Weinsberch zu erhöhen das allermeist, 
sunst auch ehr inzulagen, gut gerucht zu behalten, bin doch etwas verbachsam. *) 
Ich bin neulich und sperlich, mehr aus Unvermögenheit der inkomtz dan van geir- 
heit, doch zu den eren reck ichs dar. In groissen fachen und forderongen, min 
amter, mich selbst und min frunde betreffende, lais ich nit gern vil nahe, halte 
lang hart, und mit gutte bin ich mehe dan mit stolz zu überwinden. Wolgestalte 
schone frauenleut hab ich lust zu sehen und die böse beger ist arger dan der wil 
und wirk. Ich bin wol vor eirst etwas ungedultich und zornich, aber lais es 
ball triben und schaff, das ichs uis dem sinne balt sklain, dan bin ich sanftmut- 
tich und gedultich, doch irren ich mich selten mit denjenigen, damit ich beglich umb- 
gain, bin sunst aber scharf im zorn mit Worten, unthalt mich des sklains, und 
ob ich minen standen wol iren tag möcht leisten, so bin ich doch darin bedachtlich 
und doin es nit sonderlich. Den fremden, damit ich unwil hab, kom ich nit licht- 
lich in geselschaft. Eiz eff und drink ich gern gemein gutte speis und drank und 
gnoigt mir damit wol, bin leckerhaftiger nit begerlich, kan der sein wol untberen, 
doch mois ich alle malzit sät sin, kan und plege nit vil daran abzubrechen und 
feit mir das fasten swere. Ich gain wol zur kirchn, hoir gern predich, aber bitte 
nit so fleissich noch vil, bekümmeren mich wenich in der hilligen schrift, dan mehe 
in weltlichen zitlichen dingen. Ich bin wol barmhertig und mitleidsam, aber doin 
nit gern vil darzu. In der geselschaft bin ich frolich und sprech vil, hoir gern 
neuwe zeitung, gib andern auch gern gehoir und recht, wan es mich nit antrifft 
und zuwidder ist. Im rait ret ich nit fil ongefragt, es were dan noit und da 
ran gelegen; sunst bin ich von natur blöde und dan seir koenne, wan ich erzornt 
oder gereizt werde. Sunst bin ich minen frunden, nachparn, kuntzluden und jeder- 
*) prahlerisch.
	        

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