Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 34.1890 (34)

322 II- Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc. 
pädagogischen Kreise einnahmen, hatten die evangelischen Lehrer des Kreises Mors II 
sich am 10. Februar 1876 öffentlich gegen die Simultanschule erklärt. Ihre 
Erklärung (verfaßt von Pfarrer Zillessen, dem heutigen Herausgeber der „Deutschen 
Lehrerzeitung") erregte allgemeines Aufsehen, und es wurde die Frage laut, ob 
der „Deutsche evangelische Schulverein" nicht auch seine bis dahin geübte Zurück 
haltung aufgeben und mehr aktiv auftreten solle. So dachte man an eine größere 
Versammlung von Vereinsgenossen und gleichgesinnten Freunden (die evangelischen 
Schulkongresse bestanden damals noch nicht). Der Ordner des Vereines, Seminar 
direktor Heine, forderte von den anderen Mitgliedern des Vorstandes, Dörpfeld, 
Gymnasiallehrer (jetzt Direktor) Or. Kolbe und Rektor Ströse, ihr Gutachten in 
der Angelegenheit ein. Alle erklärten sich der Ansicht, der deutsche evangelische 
Schulverein sei kein Aktionsverein, dazu gar nicht ausgerüstet, sondern ein Be 
ratungsverein. Besonders eingehend und hervorragend wertvoll ist das Votum 
Dörpfelds („Monatliche Mitteilungen an die Mitglieder des deutschen evangelischen 
Schulvereins", 1876, Nr. 8). Dasselbe ist zu unserem lebhaftesten Bedauern 
wenig bekannt geworden. Es enthält gleichsam des Verfassers „Leidensgeschichte" 
in nuce auf engstem Raume. Es ist ein schätzenswerter Beitrag zur Beantwortung 
der Frage: Ob Konfessionsschule, ob Simultanschule. Dörpfeld untersucht die 
Mörser Erklärung auf ihre Motivierung. Er giebt an, daß den Kern der Punk 
tationen seine eigene Idee der „Schulgemeinde" bilde. Uber die Einrichtung dieser 
Körperschaft spricht sich Dörpfeld näher ans in seiner Schrift: „Die freie Schul 
gemeinde und ihre Anstalten auf dem Boden der freien Kirche im freien Staate" 
(Gütersloh bei Bertelsmann, 1863). Dörpfeld findet, daß in der Mörser Er 
klärung mehreres Wichtige übergangen sei. Eine organisierte Schutzwehr für die 
konfessionelle Schule liege auch in der fachmännischen Schulaufsicht und in der Ein 
richtung der Schnlsynoden. „Der Schutz, den die Kreis-Schulinspektorate der 
bezeichneten Art leisten würden, liegt darin, daß dann einerseits ein altes Übel 
und andrerseits ein altes Unrecht weggeschafft wäre. Das alte Übel bestand darin, 
daß das Kreis-Schulinspektorat bloß ein Nebenamt bildete und darum schon aus 
Mangel an Zeit nicht imstande war, die Schulen so zu Pflegen, wie sie es be 
dürfen (vgl. die Schrift: „Die drei Grundgebrechen"). Das alte Unrecht bestand 
darin, daß diese Posten der technischen Schulinspektion Männern aus andern 
Ständen übertragen waren, während dieselben doch von Rechts wegen dem Volks- 
schul-Lehrerstande gehören. Dieses alte Unrecht, womit die konfessionelle Schule 
behaftet war, hat auch,, wie allbekannt, insonderheit mit dazu beigetragen, daß so 
viele Lehrer in das Lager der Simultanschulschwärmer hinübergezogen worden sind. 
Denn ein Stand, der sich gefallen lassen muß, in technischer Beziehung von » 
Fremden, von Nicht-Fachgenossen, beaufsichtigt zu werden, — der heißt, ist und 
bleibt unselbständig. Solange das Kreis-Schulinspektorat den Geistlichen über 
tragen war und von denselben eifersüchtig festgehalten wurde — (und vollends da, 
wo obendrein das Lokal-Schulinspektorat den Hauptlehrerposten absorbierte) — 
sahen sich die Lehrer thatsächlich zu dem Range pädagogischer Unteroffiziere herab 
gedrückt und darin festgehalten. Ein Teil der Lehrer glaubte schließlich, dieser 
alten Schmach und was damit zusammenhängt, nicht anders entrinnen zu können 
als dadurch, daß die Schulen simultanisiert wurden, und er hat daher eifrig dafür 
gewirkt, die Umformung dem Publikum zu empfehlen. Hätte man dem Lehrer- 
stande gegönnt, was ihm gebührt, so würde diese Agitation für die Simultanschule 
nie aufgekommen sein." Weiter weist Dörpfeld darauf hin, was die Schul-
	        

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