Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 34.1890 (34)

Iti. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
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daß er ein Herz für die Lehrer habe; er betonte, daß er die Besoldung für zu 
gering, auch Alterszulagen für notwendig halte; eine höhere Bildung werde die 
Lehrer zu größerer Selbständigkeit führen; ein Unterrichtsgesetz hoffe er in der 
nächsten Session des Landtages vorzulegen. Es war die Stunde, die jahrelange 
Mühe und Enttäuschung vergessen ließ, denn sie gab die Überzeugung, daß die 
preuß. Schulverwaltung in andere Bahnen eingelenkt war. Die Tage der Regulative 
von 1854, deren Verfasser es jetzt selbst aussprach, daß für ihre Abfassung 
politische Gründe maßgebend gewesen seien, waren gezählt. Zur Beratung des 
Schul- und Seminarwesens wurde im Juni eine Kommission berufen, zu welcher 
auch zwei Volksschullehrer, Bohm in Berlin und Dörpfeld in Barmen gehörten, 
und schon am 15. Oktober 1872 Erschienen die „Allgemeinen Bestimmungen des 
Königlich Preußischen Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-An- 
gelegenheiten, betreffend das Volksschul-, Präparanden und Seminarwesen." Es 
war das Goethesche Wort: 
„So steigst du denn, Erfüllung, schönste Tochter- 
Des großen Vaters, endlich zu uns nieder!" 
wie für das Vaterland, so nun auch für das Innere der Schule eine Wahrheit 
geworden. Das Vertrauen zu der Schulverwaltung, die Hoffnung auf eine bessere 
Gestaltung auch der äußeren Verhältnisse war wiedergewonnen. 
in. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
Lehrbuch der alten Geschichte 
für die obern Klassen höherer Lehr 
anstalten von Emil Knaake, Real 
gymnasiallehrer- 146 S. Preis 1,40M. 
Hannover. Verlag von Carl Meyer 
(Gustav Prior). 1886. 
Es ist ein besonderer Vorzug dieses 
Lehrbuchs, daß der Vers, sich aus das 
Notwendige und Erreichbare beschränkt 
hat. Eigentliche Geschichtsforschung und 
ausgedehnte Quellenlektüre für das Alter 
tum und Mittelalter sind nicht Aufgabe 
der Gymnasialbildung; wenigstens darf 
die gründliche Einführung in das Ge 
samtgebiet der Geschichte darunter nicht 
leiden. — Der Vers, hat in dem vor 
liegenden Lehrbuch die Geschichte der Grie 
chen und Römer in je 40 Paragraphen 
geteilt, nach der Zahl der Stunden, die 
im Sommer und Winter auf den Ge 
schichtsunterricht entfallen, womit freilich 
nicht gesagt werden soll, daß genau ein 
Paragraph in jeder Stunde durch- 
zunehmeu sei. — Rühmend anzuerkennen 
ist es, daß das Lehrbuch in einfacher, 
zusammenhängender Rede, nicht in ab 
gerissenen Sätzen oder in bloßen Fragen 
den Geschichtsstoff darbietet. Mit halb 
stilisierten Sätzen ist auch den Schülern 
der Realgymnasien und Oberrealschulen 
nicht gedient. — Der Vers, fängt die 
alte Geschichte nicht an mit Erzählungen 
über die orientalischen Völker: Ägypter, 
Babylonier, Assyrer, Phönizier, Perser 
und Meder, sondern er beginnt die Hi 
storie sofort mit der Geschichte der Grie 
chen. So thut auch Oskar Jäger in 
seinen beiden empfehlenswerten Büchern 
über die Geschichte des Altertums: „Ge 
schichte der Griechen" und „Geschichte 
der Römer." Die Geschichte dieser beiden 
Völker giebt hinreichend Gelegenheit, auf 
die Geschichte der orientalischen Völker, 
soweit dieselbe für die Entwicklung der 
Menschheit und die Herausbildung euro 
päischer Kulturstaaten wichtig geworden
	        

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