Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 34.1890 (34)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Systems Spencers aber wird dieselben als Ergebnisse des G-anzen 
, auffassen und sie als berechtigte Folgerungen desselben anerkennen. 
Aus diesem Grunde haben wir zunächst uns dem philosophischen 
System als Ganzem zuzuwenden und diejenigen Principien heraus 
zugreifen und zu betrachten, welche in seiner Pädagogik von grund 
legender Bedeutung sind. Hier liegt es uns demnach nicht ob, 
ihren Zusammenhang unter sich nachzuweisen und einen Umriss der 
ganzen Philosophie zu geben. Es handelt sich nur um die Er 
klärung derjenigen Begriffe, welche zu den Lehren seiner Pädagogik 
in inniger Beziehung stehen. 
Von höchster Bedeutung sind zunächst des Philosophen reli 
giöse und ethische Ansichten, weil sie das Ziel der Er 
ziehung bestimmen. 
Wir fragen darum zuerst: Welche Stellung nimmt Spencer zur 
Religion ein? — Als Positivist giebt es für ihn ein Reich des 
Unerkennbaren und des Erkennbaren. Jenem gehören die letzten 
Begriffe der Wissenschaft, wie Raum, Zeit, Materie, Bewegung, 
Kraft, Substanz der Seele etc. an. Was sie an sich sind, wird 
niemand je wissen; man kann es nicht wissen; sie sind in der 
Hinsicht ganz und gar unbegreiflich. Man beschäftigt sich, daher 
besser mit anderen Sachen. Diesem Reich des Unerkennbaren ge 
hört auch der Begriff Gott an. Seine Eigenschaften kann man 
gleichfalls nicht erkennen. Gott als eine absolute, unendliche Ur 
sache übersteigt nicht bloss das menschliche Wissen, sondern auch 
das menschliche Fassungsvermögen. Wer Gott eine Persönlichkeit 
zuschreibt, spricht über etwas, worüber er absolut nichts weiss. 
Dem Reiche des Erkennbaren gehören die Erscheinungen au, 
welche die Erfahrung darbietet. Durch letztere wissen wir aber 
nur eins über das Erkennbare: Es ist das Relative. Da aber ein 
Relatives ein Absolutes notwendigerweise voraussetzt, so müssen 
wir auch die Existenz eines Absoluten bejahen, wenn wir es 
auch bloss auf diese negative Weise als unfassbar erkennen können. 
Spencer hält somit den „dem unerkannten und unerkennbaren Gott“ 
gewidmeten Altar, gegen welchen Paulus so sehr eiferte, aufrecht. 
„Ein erkannter Gott wäre kein Gott mehr“, würde er mit Jacobi be 
haupten. Religion im gewöhnlichen Sinne, oder Glaube an Gott, 
sei reiner Aberglaube: der Protestantismus sei eine „hebräische 
Mythe.“ 1 ) Zwar sagt er in seiner Pädagogik; es ist ein grosser i) 
i) Principles of Psychology, 3. Aufl., London 1881. Williams and Norgate. 
B. I, 5. 8. 466. Anmerkung.
	        

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