Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens :c. 
„Ist Gott für mich, so trete" rc., Strophe 1 und 2.*) 
Ansprache (Ein kurzes Wort über Kaiser Wilhelms Gott 
vertrauen und Demut). 
Von Kaiser Wilhelm I., dem Siegreichen, der heute vor . . . Jahren ge 
boren wurde, habt ihr schon oft gehört. Noch vor 12 Tagen ist euch von 
dieser Stelle aus von seinem Tode erzählt worden. Vielen von euch ist es nicht 
unbekannt, daß er nach neun heitern Jugendjahren mit seinen Eltern vor den 
Franzosen fliehen mußte, deren übermütiger Kaiser Napoleon Preußen knechtete 
und bis zur Hälfte verkleinerte. Kaiser Wilhelms Mutter, die edle Königin 
Luise, starb vor Gram, nicht ohne ihre Söhne darauf hingewiesen zu haben, daß 
Gott das gedemütigte Land wieder mächtig und stark machen könne. Ihr wißt, 
wie der Übermut Napoleons gebrochen wurde — „Bis hierher und nicht weiter, 
hier sollen sich legen deine stolzen Wellen" — wie der junge mutige Prinz mit 
zog in den heiligen Krieg und Preußen wieder frei wurde; es ist nicht wenigen 
von euch bekannt, wie Wilhelm als König von Preußen für ein starkes Heer 
sorgte, wie er von Sieg zu Sieg schritt, ivie unter ihm die uneinigen Deutschen 
wieder Brüder wurden; wie er, mit der Kaiserkrone geschmückt und geehrt, das 
große, mächtige Deutsche Reich weise regiert hat, wie er von klein und groß ge 
liebt und geehrt wurde — alles dessen erinnert ihr euch. Wir fragen: Wodurch 
hat er seine Feinde bezwungen und Deutschland mächtig und geachtet gemacht? 
Was hat ihn so groß und stark gemacht, so geliebt, so glücklich und von Gott 
gesegnet in seinen Handlungen? Sein Fleiß, seine Pünktlichkeit, sein Mut, seine 
Klugheit, seine Leutseligkeit und Freundlichkeit, seine Geschicklichkeit, kluge und 
eifrige Männer zu seinen Räten zu machen? Ja, alles das, aber eines ist 
wohl das Köstlichste und Wichtigste, eins hat ihn vorwiegend so siegreich und 
mächtig gemacht, eins, das alle menschliche Klugheit übertrifft. Was ist dieses 
eine? Die Antwort wird aus folgenden wenigen Zügen aus dem Leben des 
großen Kaisers hervorgehen. 
König Friedrich Wilhelm III., der Vater Kaiser Wilhelms, hatte 1806 
den Franzosen den Krieg erklärt. An der Spitze seiner Armee, begleitet von 
der Königin, zog er dem Feinde entgegen. Die Kinder blieben in Berlin zurück. 
Noch funkelten vor Prinz Wilhelms Augen die blanken Waffen und prächtigen 
Uniformen der Soldaten, noch glaubte er fest, das stattliche Heer könne nicht 
überwunden werden, da durchzuckte schon eine Menge schlimmer Nachrichten das 
erschreckende Berlin. Am 14. Oktober wurde das schlecht geführte preußische Heer 
bei Jena und Auerstädt gänzlich geschlagen; die Truppen flohen, vom Schreck ge 
jagt, und bald erscholl das Angstgeschrei: „Napoleon steht vor Berlin!" Tage 
lang wußten die königlichen Kinder nicht, wie es um ihre Eltern stand. „Fort, 
fort von Berlin!" hieß es, und die Kinder bestiegen mit ihrem Lehrer Delbrück 
eilends den Reisewagen und flohen ostwärts. Da begann für sie die hohe Schule 
der Leiden, in der uns Gott das lehrt, was in den Tagen der glücklichen Kind 
heit nicht zu lernen ist. Die Königin Luise hatte nach dem Willen des Königs 
schon vor der unglücklichen Schlacht das Heer verlassen. Erst nach vier Tagen 
erfuhr sie die Niederlage. Spät abends kam sie in Berlin an. Man sagte ihr, 
die Kinder seien geflohen. Die Nacht durchweinte sie. Morgens früh fuhr sie 
*) Sind diese Strophen den Kindern unbekannt, so empfiehlt es sich. sie durch 
passende bekannte zu ersetzen.
	        

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