Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Aus dem Nachlasse j F. W. Dörpfelds rc. 
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b) Die ethischen Erfahrungsthatsachen .... Nein. 
(Man macht «) die Tiere nicht verantwortlich: 
ß) dressiert, aber bemüht sich nicht um ihre 
ethische Erziehung.) 
o) Kein ästhetischer Sinn — viel weniger ein ethischer 
(Vgl. auch die Worte: Bewegung, — Thätigkeit, — 
Handlung.) 
Summa: Das ethische kommt n i ch t zur Erscheinung bei rein Körperlichem, 
nicht in der Tierwelt, sondern nur im Menschenleben. 
B. Auf welche Stelle im Menschenleben hat der Blick sich 
zu richten, wenn über eine Person ein moralisches Ur 
teil gefä llt werden soll? 
Die ursprünglichen Urteile ergehen zunächst über die Hand 
lungen : 
1. Sind nun die Handlungen die Stelle, wo ein entscheiden 
des moralisches Urteil über die Person gefällt werden kann? 
Beispiele: 
a) die Mutter, die durch Nachsicht, Überzärtlichkeit, Schwach 
heit ihr Kind verzieht: 
Handlung: tadelhaft (Manko), —Gesinnung: gut 
(nicht getadelt): 
b) die Pharisäer, mit ihrem Almosengeben, Beten, Fasten: 
Handlung: anscheinend gut, — Gesinnung: Manko 
(nicht gelobt). 
Andere Beispiele: 
a) zu große Strenge in der Erziehung; — unbesonnene 
Tapferkeit; — summum jus summa injuria; —über 
triebene Abhärtung, Fasten rc.; — „Wende dich nicht ab 
von dem, der dir abborgen will;" — 
b) alle Art von Unwahrhaftigkeit, Verstellung, Heu 
chelei: z. B. Wechsel ausstellen, die man nicht bezahlen 
will. — 
Summa: Die Handlung kann schlechter sein als die Gesinnung und 
kann besser sein rc., kurz, die Handlungen sind trttglich, nicht 
entscheidend. 
Wo Gesinnung und Handlung übereinstimmen — im Guten 
wie im Bösen — da zeigen die Handlungen wohl das Ethische 
an, aber sie sind nicht der Sitz des Ethischen; — sie sinh
	        

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