Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Aus dem Nachlasse f F. W. Dörpfelds rc. 
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Diese (2.) Frage läßt sich mit Hülfe der Psychologie, selbst der bloßen 
Erfahrungspsychologie, leicht beantworten. 
Antw. a. Eine bewußte Handlung (und das muß die moralische 
sein) kann nur hervorgehen aus einem Begehren, genauer: 
aus einem Willensentschluß. Der Wille ist also 
jedenfalls beteiligt. 
a) Ein Wollen kann nicht entstehen, ohne ein vorausgehendes 
Gefühl. Das Gefühl ist also ebenfalls beteiligt. 
b) Ein Gefühl setzt aber wieder Vorstellungen voraus, 
welche dasselbe erregt haben; denn „was ich nicht weiß, 
macht mich nicht heiß." Mithin ist die Erkenntnisthätigkeit 
ebenfalls beteiligt. 
Die Gesinnung oder der Charakter setzt sich demnach aus allen 
drei Seelenthätigkeiten zusammen. 
(Manche Ethiker haben sich bei dieser Antwort beruhigt und sind 
dadurch in arge Irrtümer geraten.! 
3. Hat nun bei einem moralischen Urteil der Blick sich zu richten 
auf alle drei Faktoren, oder bloß auf zwei, oder endlich bloß 
auf einen? 
(Es ist aber nicht gemeint ein Urteil über die Gesamtgesinnung 
einer Person, sondern insofern die Gesinnung in einer bestimmten 
einzelnen Handlung sich äußert.) 
Diese (3.) Frage ist von einer viel größeren Bedeutung innerhalb 
der Ethik, als man auf den ersten Blick denkt. Wir müssen darum in 
der Untersuchung sehr vorsichtig vorgehen, — Schritt vor Schritt. 
a) Erkenntnisthätigkeit. Ist hier die Stelle, wo ein mo 
ralisches Urteil gefällt werden kann? 
(Oder mit andern Worten: Können Vorstellungen, Gedanken, 
Ansichten, Systeme, Schlüsse u. s. w. Gegenstand der mora 
lischen Beurteilung sein? Haben Ansichten, weil sie 
richtig sind, als solche eine moralische Würde, — und: sind 
die unrichtigen als solche moralisch tadelhaft? 
Gedanken als solche können nur beurteilt werden nach Rich 
tigkeit oder Unrichtigkeit.! 
Antw. Nein, weil Vorstellungen für sich allein gar kein 
Handeln hervorrufen. 
b) Gefühle. Ist hier u. s. w. 
Antw. Nein, weil u. s. w. 
o) Wille. Ist hier u. s. w. 
Antw. Mit dem Willensentschluß ist der psychische Prozeß
	        

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