Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Aus dem Nachlasse t F. W. Dörpfelds rc. 
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k Anwendungen in Bezug auf den Eudämonismus. 
Fragen: 
Fr. 1. Wenn es nur dreierlei Schätzungen giebt (zweck 
mäßig, angenehm, schön), also keine moralische im 
eigentlichen Sinne, und man dennoch von Moralität, 
von Moralischem spricht, — was ist dann gemeint? 
oder: unter welche der drei Schätzungskategorien 
fällt es dann? 
Antw.: unter das Zweckmäßige. 
(Definition) Fr. 2. Wie wird man nun das Moralische definieren? 
— (Das Moralische ist etwas Zweckmäßiges; ist aber 
alles Zweckmäßige moralisch?) 
Antw.: das Moralische ist eine Art des Zweckmäßigen. 
Fr. 3. Welche Art? (spezifische Differenz!) 
Näher: was wird beurteilt? (Objekt!) Dinge oder 
Personen? aber w a s an den Personen? (wo 
hin wird geblickt?) der Wille, oder das Ver 
halten? 
Antw.: das Moralische (Moralität) ist ein zweckmä 
ßiges Verhalten. 
Fr. 4. alles zweckmäßige Verhalten? (Nein!) 
welches denn? — (der Unterschied liegt im Zwecke)» 
— also für einen gewissen Zweck. 
Für welchen Zweck? — für die Wohlfahrt (Glück 
seligkeit). 
Definition: moralisch ist dasjenige Verhalten, welches 
für die Wohlfahrt zweckmäßig ist. 
(--- das Mittel — zur Wohlfahrt als Zweck). 
Fr. 5. Hier (in der Definition) ist also die Rede von einem 
Zweck und einem Mittel. 
Das Mittel (Verhalten) wird beurteilt nach dem Zweck; 
der Zweck ist also gegeben, wird als feststehend an 
genommen. 
Den Zweck setzt aber der Wille. Wird nun ein 
bestimmter Zweck als gegeben, als feststehend an 
genommen, so wird auch dieser bestimmte Wille 
als gegeben, als feststehend angenommen. 
(Folgerung: also dieser Wille wird nicht beurteilt 
— kommt nicht in Frage, wird voraus 
gesetzt; beurteilt wird nur das Mittel
	        

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