Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Dorpfeld und die religiösen Klassiker. 
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noch nicht beseitigt ist, solange man noch nicht die überlieferte Anschauung auf 
gegeben hat, die Lehre nehme eine selbständige Stellung neben der Ge 
schichte ein, während sie doch nichts anderes als das Verständnis der lebendigen 
Offenbarung Gottes in Thaten und Personen ist und die Verständigung über 
dieselbe, — so lange haben wir auch noch nicht die rechte unterrichtliche Behand 
lung der Christenlehre. 
Ebenso begrüßen wir das Hechtenbergsche Buch — „Biblische Ge 
schichten erzählt und mit dem gesamten Religionsstoff der Volksschule in sach 
lichen Zusammenhang gebracht" * *) — als eine der neuen Leuchten auf dem Wege 
gesunden Fortschritts. Ähnlich wie Armstroff spricht sich Regierungsrat Hechten 
berg über seine Leitgedanken aus: „Um die biblischen Geschichten zum Ausgangs 
und Mittelpunkt des gesamten Religionsunterrichts zu machen, sind mit den Er 
zählungen die religiösen Lernstoffe der Volksschule sachlich verknüpft worden. Die 
religiösen und sittlichen Gedanken der biblischen Geschichten sollen ihren klassischen 
Ausdruck in den beigegebenen Bibelsprüchen, Psalmen und Kirchenliedern finden. 
Für die Auswahl dieser Stoffe ist die Absicht bestimmend gewesen, möglichst den 
gesamten religiösen Lernstoff der Schule mit verwandten biblischen Geschichten zu 
verknüpfen und dadurch ohne viele Worte dem Verständnis der Kinder zu ver 
mitteln. Es sollen biblische Geschichten und religiöse Lernstoffe wechselseitig ein 
ander dienen und zum Verständnis verhelfen." Namentlich freue ich mich, die 
specifisch Dörpfeldsche Forderung des freien Wortes, der selbständigen Wiedergabe 
und ,Umformung* hier so bestimmtaufgenommenzu finden: „Bei der Erzählung 
des Schülers ist demselben in Bezug auf Form und Inhalt völlige Freiheit in 
der Darstellung zu gestatten." Auch das entspricht Dörpfelds Streben nach einer 
verständnisvollen Durchdringung des Stoffes, wenn den Erzählungen sachgemäße 
„Aufgaben" beigegeben sind, die auf der Oberstufe von den Schülern zu Hause 
gelöst werden sollen. 
Nach ähnlichen Grundsätzen ist auch das Religionsbuch von Falcke 
und Förster?) bearbeitet, welches enthält: Biblische Geschichten Alten und Neuen 
Bundes, Bilder aus der Kirchengeschichte, Katechismus mit Erläuterungen und 
Anhang: Haustafel, Bekenntnisse, Scheidelehren, Bibelkunde, Gebete, 70 Kirchen 
lieder. Es heißt da im Vorwort: „Das Leben unseres Heilandes möglichst ein 
gehend und in abgerundeten Bildern zur Darstellung zu bringen, schien uns von 
') Im Verlage von C. Bertelsmann erschienen, 4. Aufl. 1894, 352 S. geb. 1 M., 
Obige Bemerkungen beziehen sich auf die Ausgabe für die Oberstufe, die andere für 
Mittel- und Unterstufe (geb. 70 Pf.) war mir nicht zur Hand. 
*) Pädagogischer Verlag von Hermann Schrödel, Halle a. S., 3. Aufl. 238 S. 
Preis in Leder geb. 0,90 M. Dazu gehören die Einheitlichen Präparationen für den 
gesamten Religionsunterricht in sieben Teilen von August Falcke in demselben Verlag 
von 1890 an.
	        

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