Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
besonderer Bedeutung zu sein. Sollen doch die Kinder unserer evangelischen 
Kirche vor allein an dem Lebensbilde Jesu religiös groß werden und zu freien 
sittlichen Persönlichkeiten heranwachsen . . . ." „Die Bilder aus der Kirchen 
geschichte sind vorzugsweise Charakterbilder bedeutender Männer, an denen die 
Kinder warm werden sollen in treuer Liebe zu ihrer Kirche, in der Christus sich 
allezeit lebendig erweist." — Falcke nennt auch im ersten Teil seiner Einheitlichen 
Präparationen neben Herbart, Ziller, Leutz, Kehr ausdrücklich als einen der Be 
gründer des von ihm befolgten Verfahrens Dörpseld, indem er sich auf desien 
These beruft: „Die Heilsgeschichte ist die beste Heilslehre," ohne freilich, wie es 
scheint, diesem Gedanken in seiner ganzen Tiefe nachgegangen zu sein. 
Für den Religionsunterricht an höheren Schulen hat Prof. Zange*) in 
Erfurt ein vorzügliches Hülfsbuch im Sinne der oben besprochenen Grundsätze 
geschaffen, auf das näher einzugehen wir uns aber hier versagen müffen. Wir 
hoffen in einem anderen Zusammenhange noch einmal darauf zurückkommen zu 
können. 
Schließlich würde ich gern noch auf die bedeutsamen Arbeiten von B u ch - 
rucker eingehen, die sich mit den Gedanken Dörpselds in mannigfacher Weise 
berühren und um so mehr zum Vergleich herausfordern, als Buchrucker, soviel 
ich weiß, völlig unbeeinflußt von Herbartischen Principien gearbeitet hat. Was 
aber diese beiden Männer nahe verband, war die gemeinsame Anerkennung der 
heilsgeschichtlichen Ideen des großen Theologen von Hofmann in Er 
langen, die sein unmittelbarer Schüler Buchrucker geflissentlich und mit aller Kraft 
für den Unterricht fruchtbar zu machen suchte, und von denen Dörpseld seinerseits 
gern bekennt, viel gelernt zu haben. Buchrucker spitzt diesen Leitgedanken, den 
Dörpseld, wie wir oben sahen, auch vertritt, so zu: Nicht so sehr Geschichten 
aus der Geschichte, sondern Geschichte in Geschichten vortragen, mit andern 
Worten also den Blick der Kinder für die in den großen Thaten Gottes sich 
kundgebende und von den religiösen Klassikern als solche bezeugte Liebe und Weis 
heit Gottes öffnen. Indessen dürfen wir die umfassenden katechetischen Werke 
Buchruckers hier nicht im Vorübergehen erledigen; wir werden uns mit ihnen 
noch einmal näher auseinanderzusetzen haben. Nur ein Satz aus der Einleitung 
zu dem „Biblischen Geschichtsunterricht oder Wie ist es zu der 
Gemeinschaft Gottes und der Menschheit gekommen?" (Nürnberg 
i) Leitfaden für den Evangelischen Religionsunterricht. Beispiel 
eines ausgeführten organischen Lehrplans (in freiem Anschluß an die neuen 
preußischen Lehrpläne vom 6. Jan. 1892). I. Bd Sexta bis Unter-Sekunda. Gütersloh 
1893, C. Bertelsmann. Welche andere Kraft und Frucht würde der gymnasiale Re 
ligionsunterricht haben, wenn die straffe Konzentration dieses im großen Stil durch 
geführten und zugleich bis ins einzelnste gehenden Lehrplans allgemein zur Geltung 
käme! (Preis 3,60 M.)
	        

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