Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Bibel und Katechismus. 
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1880, U. E. Sebald) sei hier angeführt: „Faßt man das Christentum in erster 
Linie als Lehre, sei es vom rationalistischen, sei es vom orthodoxistischen Stand 
punkte aus, so kann die Geschichte nicht zu ihrem Rechte kommen: sie wird 
lediglich zur Vorratskammer von Beispielen und Anwendungen für die Lehre. 
Wem aber würde es einfallen, nun die Weltgeschichte vorwiegend in dieser Weise 
zu behandeln! Ein anderes ist die Frage: welche Lehren erklärt die Geschichte, 
ein anderes die Frage: welches ist der Gang und Verlauf der Geschichte selbst." 
Gerade dieser Hinweis auf Buchrucker zeigt, daß wir keineswegs ein Mo 
nopol der Religionsunterrichtsreform für Dörpfeld und seine nächsten Gesinnungs 
genossen (Herbart-Zillersche Schule) in Anspruch nehmen. Vielmehr so sehr sich 
Dörpfeld selbst über alle Mitarbeiter und Vorläufer, aus welchen Lagern sie auch 
kamen, von Herzen freute, wovon seine ebenfalls in diesem dritten Bande mitgeteilte 
Rede auf Zahn ein schönes Zengnis ablegt, so wollen auch wir keinem sein 
eigentümliches Verdienst in den vielseitigen Bemühungen um die Neubelebung und 
Fruchtbarmachung des Religionsunterrichts schmälern. Aber wir möchten mit 
Nachdruck doch darauf hingewiesen haben, daß gerade der tiefe und umfassende 
Inhalt, der in Dörpfelds Idee der religiösen Klassiker liegt, noch mehr als bisher 
anerkannt und zum Segen der Jugendunterweisung verwertet werden sollte. 
Bibel und Katechismus. 
Aus Dörpfelds nachgelasienem Werk: Die geheimen Fesseln der Theologie, vgl. Ev. 
Schulblatt 1894 Nr. 5 „Luthers erste These." 
Die Bibel ist kein Buch, sondern eine Bibliothek, eine Sammlung von 
Schriften aus sehr verschiedenen Zeiten; zwischen dem ersten Autor, Moses, und 
dem letzten, Johannes, dem Apokalyptiker, liegt ein Zeitraum von mehr als 1500 
Jahren. Auf den Inhalt gesehen bieten sie teils historische Erzählungen, teils 
Reflexionen über ethische und dogmatische Fragen; man kann sie demnach einteilen 
in historische und didaktische Schriften. Der didaktische Inhalt tritt der Form 
nach auf entweder in Reden, oder Gesprächen oder Briefen oder Betrachtungen 
oder Sentenzen oder Visiousbeschreibungen. Aus dem allen, aus der Herkunft, 
dem Inhalt und der Form dieser didaktischen Schriften, geht hervor, daß wir in 
denselben nicht einen Katechismus zu sehen haben und noch weniger ein 
wissenschaftlich-systematisches Lehrbuch der Theologie, sondern vielmehr das, was 
wir heutzutage „Zeitstimmen" oder „freie Litteratur" nennen d. h. solche litte 
rarische Produktionen, welche für das praktische Bedürfnis einer bestimmten Zeit 
lage und bestimmter Personen berechnet sind. 
Besinnen wir uns jetzt darauf, wie derartige mündliche oder schriftliche Dar 
legungen, wenn sie wirken sollen, dialektisch oder sprachlich beschaffen sein müssen; 
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