Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder beeinflussen? 175 
machen und an meine Dialektik und Sprechweise zu gewöhnen. Als wir dann 
zu seinem Anliegen übergingen, waren wir in einer Stunde fertig und er 
wunderte sich höchlich, wie das so leicht hatte geschehen können und warum 
ihm meine erlösenden Zurechtstellungen nicht selbst eingefallen wären." 
Die Vorbemerkungen schließen: So möge denn diese Frucht jahrzehntelangen 
Forschens und Prüfens und Leidens hinausgehen und Frucht schaffen, dreißig- 
fältig; wills Gott, wenigstens die Frucht, daß viele „leidende, irrende Brüder" 
sich wieder in den höchsten Lebensfragen zurechtfinden — wie schon manch einer 
diesem von Gott gelehrten Lehrer bei Lebzeiten bezeugt hat, daß er von ihm 
wieder auf den Weg des Lebens gewiesen sei; und Gottes Segen, an dem dem 
Heimgegangenen alles gelegen war, geleite es zu dieser hohen Sendung! 
Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder 
beeinflussen? 
(Von Fr. Wilh. Ibach, Düsseldorf.) 
Motto: »Jeder, der in sich fühlt, daß er 
etwas Gutes wirken kann, muß ein 
Plagegeist sein. Er muß nicht warten, 
bis man ihn ruft; er muß sein wie eine 
Fliege, die, verscheucht, die Menschen 
immer wieder von einer andern Seite 
anfällt." Goethe. 
Haus und Schule sind die beiden Hauptfaktoren bei der Erziehung im 
Alter der Unmündigkeit. Soll ihre beiderseitige Wirksamkeit eine erfolgreiche sein, 
so ist unbedingt erforderlich, daß sie ihre Aufgabe richtig erfaffen und angreifen, 
sie mit Ernst zu lösen suchen und auf einander Rücksicht nehmen, um Hand in 
Hand zu gehen. Denn wie kaum anderswo macht hier allein Einigkeit stark. 
»Eins muß ins andre greifen, 
eins durchs andre gedeihn und reifen." 
Wofern nun in manchen Familien in dieser Beziehung etwas zu wünschen 
übrig bleibt, wird es der sorgsame Lehrer für seine Pflicht erkennen müssen, ihnen 
zu Hilfe zu kommen. Gebricht es den Eltern hinsichtlich der Kindererziehung an 
rechtem Ernst oder gutem Willen, so bedarf es seiner dringenden Mahnung und 
Anspornung; mangelt es ihnen an der nötigen pädagogischen Einsicht, so hilft er 
durch Belehrung; läßt es dagegen die häusliche Erziehung an keinem von beiden 
fehlen, so hat er wenigstens die Einheitlichkeit der beiderseitigen Einwirkung an 
zustreben. — Die Rechtsfrage, ob der Lehrer dazu von Amtswegen verpflichtet 
ist, soll hier nicht weiter erörtert werden. Wir wollen uns vielmehr nur klar
	        

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