Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Dingen versorgen, wie diese sich für Nahrung, Kleidung, Wohnung abmühen, sie 
vor jeder Gefahr schützen, sie hegen und pflegen. Unausbleiblich werden dann 
die Herzen der Kinder von heißer Gegenliebe entbrennen und sprechen: 
„Weil's (das Mütterchen) mich hegt und pflegt, 
auf den Armen mich trägt, 
wacht, wenn ich bin krank, 
giebt mir Speis' und Trank, 
giebt mir Kleider und Schuh' 
und viel Küsse dazu, 
drum lieb ich's so sehr, 
kann gar nicht sagen wie sehr, wie sehr." 
Aber auch in seinem weiteren Verlaufe bietet der Religionsunterricht sowohl 
wie der übrige Gesinnungsunterricht anschauliche Bilder der fürsorgenden Eltern 
liebe. Nur auf einige sei hier kurz hingewiesen. 
Die Schüler sehen die Jochebeth emsig Anstalten treffen, ihr Knäblein vor 
der Grausamkeit Pharaos zu retten, und freueu sich mit ihr des göttlichen Bei 
standes. — Sie suchen an der Seite seiner geängsteten Eltern drei Tage den 
vermißten Jesus^naben. — Sie schauen die vom Schmerz gebeugte, weinende 
Witwe aus Nain, die ihr „ein und alles" verloren, hören den klagenden Jakob, 
der „mit Leid hinunterfahren will in die Grube zu seinem Sohne," trauern mit 
der trostlosen Mutter im Märchen, deren Thränen das Kindlein im Grabe nicht 
schlafen lassen. — — Andrerseits erleben sie aber auch die Freude des alten 
Erzvaters, wenn er jubiliert: „Ich habe genug, daß mein Sohn Joseph noch 
lebt!" und sehen, wie der Vater im Gleichnis seinen Sohn in die Arme schließt, 
von dem er sagen konnte: „Er war tot und ist wieder lebendig geworden." 
An diesen und vielen andern Beispielen erkennen die Schüler, daß es die 
Eltern reichlich verdienen, von ihnen geachtet und geliebt zu werden. Um sie 
aber auch dazu erfolgreich anzuspornen und zu ermuntern, beherzige der Lehrer 
die Mahnung Senekas: „Lang ist der Weg durch Vorschriften, kurz und wirksam 
durch Beispiele." Neben einer Reihe von Bildern der fürsorglichsten Elternliebe 
lasse er solche der dankbaren Kindesliebe nicht fehlen. Er weise hin auf die treue 
Ruth, die mit der Schwiegermutter die Armut, auf den Rittmeister Kurzhagen, 
der mit den armen Eltern sein Glück teilt. Er öffne ihnen die Augen für den 
Schmerz, den die Söhne Jakobs über den Vater brachten. — Auch erinnere er 
daran, daß das fünfte Gebot vor allen andern von Gott durch eine Verheißung 
ausgezeichnet ist, wie dem entsprechend Boas seine Freundlichkeit gegen Ruth mit 
den Worten begründete: „Es ist mir angesagt alles, was du gethan hast an 
deiner Schwieger nach deines Mannes Tode," wie die kindliche Liebe Kurzhagens 
diesem die Achtung und Liebe seiner Vorgesetzten verschaffte. Alles dies wird in 
den Kindern den Entschluß zur Reife bringen: „Lasset uns die Eltern lieben, 
denn sie haben uns zuerst geliebt." Damit hat dann der Unterricht den zweiten
	        

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