Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser. 
innig und unzertrennlich verbunden ist. 
Denn Christus ist nicht König, ohne 
daß er die Wahrheit zeugt, und nicht 
Hoherprister, ohne sein heiliges Leben." 
Es ist zwar richtig, daß weder die 
stofflichen (Lehren, Handeln, Leiden rc.) 
noch die zeitlichen Bestandteile (Anfang, 
Mitte, Ende) des Lebens Christi sich 
rein und ohne Rest nach dem Schema 
des dreifachen Aintes gliedern, aber es 
handelt sich hier um die begriffliche 
Darstellung des Mittlerwerkes im Gegen 
satz zur historischen. Der Grund, der 
zu diesem, seit Calvin feststehenden, 
Lehrstück geführt hat, ist der, „das Ganze 
des heilsbegründenden Werkes Christi so 
darzustellen, daß sowohl seine Einzig 
artigkeit wie sein historischer Zusammen 
hang mit dem alten Bunde zur Geltung 
kommt." Pfarrer Zurhellen faßt (in 
einem am 4. Juni 1884 in Bonn im 
wissenschaftlichen Predigervereiu gehaltenen 
Vortrage) die Ämterlehre folgenderinaßen. 
„Die heilsbegrüudende Thätigkeit Christi 
entfaltet sich und erschöpft sich in einem 
dreifachen: 1. Zeugnis vom Heil, 
2. Versöhnung der Gewissen, 3. Stif 
tung der Gemeinde; d. i. ideale, in 
dividuelle und sociale Gestaltung der 
Gotlesgemeinschaft." Die in Frage 
stehende Schwierigkeit ist durch Frage 
31 des HeidelbergerKatechismus beseitigt. 
Man hat von verschiedener Seite einen 
Zusatz zum Apostolikum vorgeschlagen, 
der der prophetischen Thätigkeit des Hei 
landes gerecht werde. Die apostolischen 
Konstitutionen haben dem Symbol zu 
gefügt: „Der heilig gewandelt hat nach 
den Gesetzen Gottes und seines Vaters"; 
Nitzsch wollte auf Grund von Apostel 
geschichte 10, 38, und Eph. 2, 17 zu 
setzen: „er ist umhergezogen und hat 
wohlgethan und den Frieden verkündigt." 
Indem auch wir mit vielen einen ähn 
lichen Zusatz zum Symbol für eine 
wünschenswerte Verbesserung desselben 
halten, würden wir nach einer historischen 
Betrachtung des Lebens Jesu die für 
den praktischen Gebrauch durchaus zweck 
mäßige und fruchtbare Ämterlehre aus 
den Erwartungen der Frommen, die 
auf den Trost Israels warteten, sowie 
aus dem Urteil seiner Zeitgenossen und 
seinenl eigenen Zeugnis im Zusammen 
hang mit seiner in den drei verschiedenen 
Lebensabschnitten vorwiegenden Thätig 
keit ableiten. So wird man sowohl dem 
historischen Zusammenhang mit dem A. 
Testamente, wie der einzigartigen Be 
sonderheit Jesu gerecht. 
Obwohl das Frickesche Werk den 
Lutherischen Katechismus zu Grunde 
legt, wird es auch allen denen, die den 
Heidelberger- oder einen Unions-Katechis 
mus benutzen, vortreffliche Dienste thun. 
Ein verkannter Wohlthäter von 
I. Ninck. Gütersloh 1893. Bertels 
mann. 7. Auslage. 48 S. 20 Pf. 
100 Exl. 10 M. 
Der verkannte Wohlthäter, den das 
Heftchen in echt populärer Weise zu 
Ehren bringen möchte, ist der liebe 
Sonntag, das Licht der Woche, die Perle 
der Tage, wo Gottes Sonne freundlicher 
über dieser Erde zu leuchten scheint als 
sonst, der Tag, wo man sich lieb hat, 
wie jenes Kind sagte, ein Versöhnungs 
tag der Stände, wo man sich des Sonnen 
scheins der göttlichen Liebe freut und 
auch untereinander lauter Sonnenstrahlen 
der Liebe in die Herzen zu senden be 
strebt ist. Wenn wir das allezeit recht 
bedächten, würden wir uns und anderen 
den Segen dieses Tages nicht verkümmern, 
wie es leider so oft geschieht. Der 
Sonntag ist kein Gebot, sondern ein 
Geschenk, mit dem Gott besondere Liebes 
absichten gehabt, so dürfen und wollen 
wir es dankbar hinnehmen und recht 
gebrauchen. R. P... g. 
Bemerkung: Um die infolge Ausbleibens eines Manuskriptes ohnehin verzögerte Ausgabe des vor 
liegenden Heftes nicht noch mehr hinauszuschieben, geben wir nur U|2 Bogen, wogegen das nächste Heft ent 
sprechend umfangreicher werden soll.
	        

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