Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

Zur Frage der Schulgemeinde. 
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Verwaltung der Gemeinden auf einen Teil des Schulwesens. Dörpfelds Aus 
führungen in dem angegebenen Abschnitte sprechen, was ich gern einräumen will, 
für eine gesetzliche Beteiligung der Bevölkerung an der Schulverwaltung; nicht 
aber geht aus ihnen hervor, daß die dargelegten günstigen Erfolge nur dann 
möglich seien, falls diese Beteiligung in den Formen der Schulgcmeindeverfassung 
geschehe. 
13. Herr D. bestreitet (S. 301), daß ich recht habe, wenn ich behaupte, 
der Grundgedanke der Dörpfeldschen Theorie finde in seiner Ausführung nicht 
den seiner Bedeutung entsprechenden Ausdruck. Ich kann mir aber nicht helfen; 
wenn ich nach der Entwicklung und Würdigung dieses Grundgedankens lese, was 
über Zusammensetzung und Aufgaben der beiden Organe der Schulgemeinde an 
gegeben wird, so kommt mir immer wieder das Wort vom „kreisenden Berg und 
dem Mäuslein" in den Sinn. Ist die Wirksamkeit der Schulgemeinde thatsächlich 
so bedeutungsvoll, so muß diese auch unbedingt mehr Selbständigkeit und mehr 
Rechte haben. Zum mindesten darf sie in dieser Hinsicht nicht hinter den be 
reits bestehenden Schuldeputationen größerer Städte zurückstehen. Biel weniger 
als sie haben auch die Schulvorstände in vielen kleineren Gemeinden des Ostens 
nicht zu sagen. 
14. Die Frage nach dem Einflüsse des Geistlichen in der Schulgemeinde 
läßt sich nicht, wie es Herr D. versucht, durch den Hinweis auf die Zusammen 
setzung der Organe derselben beantworten. Ich behaupte nach wie vor, daß be 
sonders in kleineren Gemeinden die geistige Überlegenheit des Vertreters der Kirche 
in der Regel ausschlaggebend sein wird. Daß zur Zeit noch viele Geistliche 
Gegner der Dörpfeldschen Schulversassung sind, hat wohl andere Gründe. Wenn 
Herr D. sodann durch Angabe der Pflichten, die den Organen der Schulgemeinde 
obliegen sollen, meine Bedenken widerlegen will, so bemerke ich, daß meines Er 
achtens Angelegenheiten wie Lehrerwahl, Aufsicht über den Lebenswandel des 
Lehrers, Festsetzung des Stundenplans, Auswahl neuer Lernbüch'er, doch wohl 
Veranlassung zu principiellen Auseinandersetzungen und damit zur Störung des 
Friedens geben könnten. 
Wie kommt aber Herr D. dazu, mich (S. 301) als einen Gegner der 
Geistlichkeit hinzustellen, dessen Bedenken durch keinerlei Überlegungen sich zerstreuen 
ließen? Habe ich ihm dazu etwa, wie ein Satz seiner Ausführungen auf S. 302 
vermuten läßt, durch den Ausdruck „Kirchenpfaffe" Veranlassung gegeben? Ja, 
der ist doch, wie schon die Anführungsstriche erkennen lassen, Dörpfeld entnommen. 
Von Vorurteilslosigkeit mir gegenüber zeugt dies Verfahren meines Gegners 
keineswegs. Wie Dörpfeld, so bekämpfe auch ich weder die Kirche noch die 
Geistlichkeit an sich, sondern nur jeden Versuch, auf dem Gebiete der Schul 
erziehung Einflüsse geltend zu machen, die nicht in dieser sondern in andern Rück 
sichten begründet sind. 
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