Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
15. Auf den Seiten 307—309 versucht Herr D. meine Bedenken gegen 
die Durchführbarkeit der Schulgemeindeidee zu widerlegen. Ich habe folgendes 
dagegen anzuführen: 1. Die Auseinandersetzung über Theorie und Praxis (S. 309) 
scheint mir in dem hier vorliegenden Falle nicht am Platze zu sein; sicherlich aber 
ist sie nicht imstande, das Gewicht der gegen die Durchführbarkeit angegebenen 
Bedenken irgendwie zu beeinträchtigen. 2. Da Herr D. selbst zugiebt (S. 307), 
daß in Jndustriegegenden mit fluktuierender Bevölkerung nur eine unvollkommene 
Durchführung der Idee möglich ist, so war jedenfalls mein hierauf gegründeter 
Einwand nicht ganz ohne Belang. 3. Das Beispiel Elberfelds reicht nicht aus, 
um die Möglichkeit der Durchführung auch für weiter ausgedehnte Orte, Berlin 
z. B., nachzuweisen. 4. Wie möchte es sich mit der Durchführbarkeit in Orten 
verhalten, die so klein sind, daß in ihnen nur eine Schule bestehen kann, bei 
deren Bewohnern aber nicht die „Gewissenseinigkeit" vorhanden ist, ohne die eine 
Schulgemeinde im Sinne Dörpfelds nicht gedacht werden kann? 5. Spricht für 
meine Bedenken nicht die Thatsache, daß in den rheinischen Landen, seitdem die 
gesetzlich eingeführte Freizügigkeit zu wirken beginnt, auch der Schulgemeindeidee 
immer größere Gegnerschaft erwächst, und auch dort das Bestreben aufkommt, die 
Schulverwaltung der politischen Gemeinde zu überlassen? — Ich bleibe darum 
nach wie vor auf meinem Satze bestehen: Die Durchführung der Schulgemeindeidee 
setzt eine seßhafte Bevölkerung voraus, die in den wichtigsten Fragen des öffent 
lichen Lebens, namentlich auch des kirchlichen, einig ist. 
16. Betreffs der Einrichtung von Simultanschulen gestehe ich recht gern 
ein, daß ich im Irrtum war. Thatsächlich habe ich geglaubt, daß auch eine be 
stehende Schulgemeinde das Recht haben sollte, ihre Konfessionsschule in eine 
simultane Anstalt umzuwandeln. Warum übrigens bei Verwaltung des Schul 
wesens durch die politische Gemeinde den Eltern nicht gestattet sein sollte, ihre 
Kinder je nach ihrer Überzeugung einer Konfessions- oder einer Simultanschule 
zuzuweisen, und warum nicht auch die politische Gemeinde sich bewogen fühlen 
sollte, in Rücksicht auf die verschiedene Überzeugung ihrer Glieder beide Arten 
von Schulen einzurichten, warum also nicht auch unter ihr die Gewissensfreiheit 
gewahrt werden könnte, vermag ich allerdings nicht einzusehen. 
Herr D. kann sich bei Erörterung dieses Punktes nicht versagen, mich in 
durchaus unmotivierter Weise den bei ihm nicht gut angeschriebenen „Liberalen" 
zuzurechnen (S. 312). Nicht durch Prüfung der Idee des Liberalismus, die 
wohl eher das Gegenteil ergeben möchte, sondern aus einseitiger Erfahrung heraus 
ist er zu der Ansicht gekommen, ein „Liberaler" müsse stets für die Simultan 
schule und zwar für die Zwangssimultanschule eintreten, sowie daneben, das wird 
.später ausgeführt, für die Staatsschule schwärmen/) natürlich beides aus Haß 
9 Wie wenig stichhaltig diese letztere Behauptung ist, lehrt z. B. auch die That 
sache, daß Julius Beeger, dessen Zugehörigkeit zur liberalen Partei niemand be
	        

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