Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

252 
I. Abteilung. Abhandlungen. 
Der gute Kamerad (Uhland). 
(Für die Oberklasse.) 
Ziel. 
Ein Soldatenlied, das die Überschrift trägt: Der gute Kamerad. 
Analyse. 
Wer wird von den Soldaten Kamerad genannt? — So nennen sich die 
Soldaten unter einander, so reden sie sich gegenseitig an. — Was wollen sie 
mit dem Worte ausdrücken? — Daß sie zusammengehören und Freud und Leid 
des Soldatenlebens miteinander teilen müssen. — Jüngst zogen Soldaten durch 
unsere Stadt. Woran habt ihr da diese Zusammengehörigkeit auch schon äußerlich 
erkennen können? — Die Soldaten trugen alle gleiche Uniform, sie marschierten 
in gleichem Schritt, das Gewehr lag bei allen auf der Schulter; sie rückten in 
schnurgeraden Reihen vor; an der Spitze jeder Kompagnie ritt ein Hauptmann; 
was dieser kommandierte, das wurde von allen gleichmäßig ausgeführt. — Eine 
Kameradschaft, die sich bloß in solchen äußeren Dingen zeigt, ist aber noch nicht 
viel wert. Worin muß sie sich auch bekunden? — Im freundschaftlichen Ver 
halten zu einander, im geselligen Zusammenleben; es darf keine Tücke und Falsch 
heit im Herzen sein; der eine muß dem andern helfen, so gut er kann; ein guter 
Kamerad giebt seinen letzten Groschen, sein letztes Stück Brot her, wenn er seinen 
Kampfgenossen darben sieht. — In welchen Zeiten ist ein solches treues Zu 
sammenhalten besonders erforderlich? — Im Kriege, wo es Entbehrungen aller 
Art zu tragen giebt, und wo der Soldat sein Herzblut verspritzen soll fürs 
Vaterland; er bedarf dann der kameradschaftlichen Hilfe, des freundlichen Zu 
spruchs umsomehr, weil sonst niemand da ist, der ihm beistehen kann. 
Synthese I. 
Der gute Kamerad. 
(Von L. Uhland.) 
1. Ich hatt' einen Kameraden, 2. Eine Kugel kam geflogen: 
Einen bessern find'st du nit. Gilt's mir oder gilt es dir? 
Die Trommel schlug zum Streite, Ihn hat es weggerisien. 
Er ging an meiner Seite Er liegt mir vor den Füßen, 
In gleichem Schritt und Tritt. Als wär's ein Stück von mir. 
3. Will mir die Hand noch reichen. 
Derweil ich eben lad! 
„Kann dir die Hand nicht geben: 
Bleib du im ew'gen Leben 
Mein guter Kamerad!" 
Wer singt dieses Lied? — Ein Soldat, der in der Schlacht seinen besten 
Kameraden verloren hat. — Bei welcher Gelegenheit mag er das Lied zum ersten
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.