Full text: Evangelisches Schulblatt - 39.1895 (39)

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I. Abteilung. Abhandlungen. 
Der gute Kamerad. 
Karl und Erich waren schon in der Schule gute Kameraden gewesen. Da 
sie von gleichem Alter waren, so mußten sie auch zu gleicher Zeit Soldat werden. 
Sie hatten das Glück, in dieselbe Kompagnie eingestellt zu werden; ja sie wurden 
sogar Nebenmänner. Ihre Dienstzeit war noch nicht zu Ende, als im Jahre 
1870 der deutsch-französische Krieg ausbrach. Da zogen sie an den Rhein und 
bald nach Frankreich hinein. Sie wurden der Armee des Kronprinzen zugeteilt. 
Zuerst kämpften sie in den Schlachten von Weißenburg und Wörth mit; beide 
Male blieben sie unverletzt. Aber es standen ihnen bald noch heißere Kämpfe 
bevor. Die Armee des Kronprinzen, die schon auf Paris losmarschierte, schwenkte 
plötzlich gegen Norden ab und wandte sich gegen Napoleon. Jetzt kam es zu der 
großen Entscheidungsschlacht bei Sedan. Die beiden Kameraden hofften, daß sie 
auch diese Schlacht glücklich überstehen würden. Doch es sollte anders kommen. 
Schon am frühen Morgen brachen sie aus ihrem Quartier auf und zogen unter 
Trommelwirbel auf das Schlachtfeld. Bald entbrannte der heiße Kampf. Rechts 
und links neben ihnen schlugen die Kugeln ein, und mancher brave Soldat mußte 
sein Leben verlieren. Da sauste plötzlich eine Granate heran, die dicht in ihrer 
Nähe einschlug. Nach einem kurzen Augenblick, in dem beide auf das Schlimmste 
gefaßt waren, platzte sie, und ein Splitter drang Erich in die Brust. Schwer 
verwundet sank er zu Boden. Er fühlte sein Ende nahe. Mit der letzten Kraft 
richtete er sich noch einmal empor, um seinem Kameraden die Hand zum Ab 
schiede zu reichen. Doch da der Hauptmann zum Sturm blasen ließ, blieb diesem 
nichts anders übrig, als ihm die ewige Ruhe zu wünschen und ihn zu bitten, 
seiner auch dort oben treulich zu gedenken. 
Elberfeld. Aug. Lomberg. 
Das Leben Jesu als Lehrstoff. 
Von G. v. Rohden. 
I. 
Schuldirektor S. Bang in Schneeberg hat vor zwei Jahren auf einer größeren 
Lehrerkonferenz einen Vortrag gehalten, den er unter dem Titel: „Das Leben 
Jesu. Seiue unterrichtliche Behandlung in der Volksschuloberklasse und in der 
Fortbildungsschule als „dringlicher Reform Vorschlag" nunmehr in zweiter 
Auflage herausgiebt. Dieser interessante Vortrag hat ziemliches Aussehen erregt 
und namentlich auch durch die Kritik, der er seitens der sächsischen Herbartianer 
unterzogen wurde, Anlaß zu erneuter gründlicher Erwägung des großen didaktischen 
Problems gegeben, wie das Leben Jesu besser als bisher für die religiöse Unter 
weisung verwertet werden könnte. Die Idee, das Lebensbild Jesu in den Mittel-
	        

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